Norditalien ist Risikogebiet

Coronavirus in Bayern: Kinder werden nach Urlaub in Zwangsferien geschickt - „Was soll das bringen?“

Stühle hoch: Einige Schulen sind Virus-bedingt geschlossen.
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Stühle hoch: Einige Schulen sind Virus-bedingt geschlossen. Foto: dpa

Für einige Schüler gibt es kommende Woche Zwangsferien: Kinder, die in letzter Zeit in Südtirol waren, sollen nicht zur Schule gehen. Bis die Entscheidung vorlag, war die Verwirrung groß.

  • Norditalien ist wegen der hohen Zahl an Corona-Fällen zum ernannt worden.
  • Schüler, die in den vergangenen 14 Tagen in Südtirol waren, sollen nächste Woche nicht in die Schule gehen.
  • Bayerns Coronavirus-Krisenstab hat weitere Empfehlungen für die Schulen festgelegt.

München – Ein Skiurlaub in Südtirol – viele Familien haben so die Faschingsferien genossen. Doch: Es ist möglich, dass sie sich dabei mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben. Am Donnerstagabend wurde die Region zum Risikogebiet ernannt. Deshalb sollen Schüler, die sich in den vergangenen 14 Tagen in Südtirol aufgehalten haben, nächste Woche nicht in die Schule gehen. Das teilte das Gesundheitsministerium am Freitagnachmittag mit. Bayerns Coronavirus-Krisenstab hat zudem am Freitag Empfehlungen für die Schulen festgelegt. Eine Schule soll demnach komplett geschlossen werden, „wenn dort ein bestätigter Coronavirus-Fall aufgetreten ist“. Gebe es nur einen „begründeten Verdachtsfall“, solle nur die Klasse des betroffenen Schülers zu Hause bleiben.

Unterschiedliche Vorgehensweisen in der Südtirol-Frage

Zuvor hatte es unterschiedliche Vorgehensweisen in der Südtirol-Frage gegeben. Das Kultusministerium spricht auf seiner Homepage nur eine Empfehlung – keine Direktive – zu Risikogebieten aus: Schüler, die dort waren, sollten, „sofern das möglich ist“, zu Hause bleiben, heißt es. Dann gelte das Fernbleiben vom Unterricht als entschuldigt.

Am Gymnasium Oberhaching (Kreis München) zum Beispiel wurden 30 bis 40 Schüler, die in Südtirol waren, am Freitag umgehend nach Hause geschickt und am Max-Born-Gymnasium in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck) 25 Schüler. Doch nur wenige Schulen reagierten so. „Der Urlaub ist doch schon eine Woche her, was soll das denn bringen?“, fragt sich Heinz-Peter Meidinger, Lehrerverbandschef und Leiter eines Gymnasiums in Deggendorf. Er war der Meinung: Die Einstufung sei nur bedeutsam für Schüler, die ab sofort in Südtirol seien. „Das gilt nicht rückwirkend.“

Davon ging zunächst auch das Landratsamt Dachau aus, wo das Vorgehen der Grund- und Mittelschulen im Landkreis abgestimmt wird. Die Behörde wollte aber sicher gehen: „Weil es keine Aussage gab, haben wir uns an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gewandt“, berichtet Sprecher Wolfgang Reichelt. Eine Antwort kam gegen 13 Uhr von der Regierung von Oberbayern: „Sie hat unsere Einschätzung bestätigt“, sagt Reichelt. Später kam die Nachricht, dass die Schüler doch daheim bleiben sollen.

Lehrerverbandschef: Aufregung um Coronavirus geht zu weit

Lehrerverbandschef Meidinger ist deutlich anzuhören, dass ihm die Aufregung um das Coronavirus mittlerweile zu weit geht. „Es gibt Eltern, die rücken einem richtig auf die Pelle deswegen“, berichtet er. Und es gebe auch aufgeregte Anrufe, in denen Eltern sagen: „In der Klasse meiner Tochter hustet ein Schüler dauernd, warum unternehmen Sie nichts?“

Von einer „sich breitmachenden Panik“ berichtet auch Rainer Dlugosch, Chef des Gymnasiums in Miesbach. Er vermisse eine „konzertierte Aktion“ der Behörden. „Wir brauchen klare Vorgaben.“ Vorsorglich hat er sich am Donnerstag vom örtlichen Gesundheitsamt eine „Unbedenklichkeits-Bescheinigung“ geben lassen: Kein Schüler des Gymnasiums, so heißt es da, habe Krankheitssymptome. Aber klar: „Wenn Eltern anrufen und glauben, ihr Kind sei in Gefahr, dann befreien wir.“ Bisher habe das aber nur eine Mutter gewünscht. Während Dlugosch am Freitag etwaige Kinder mit Südtirol-Kontakt in der Schule ließ, handelt sein Kollege Werner Oberholzner vom benachbarten Gymnasium Tegernsee genau entgegengesetzt: Er schickte 25 Schüler nach Hause. „Wir wollen so vorsichtig wie irgend möglich sein.“

Coronavirus in Bayern: Weitere Schulen geschlossen

Die Situation an den Schulen könne sich stündlich ändern, erklärt Kerstin Rehm, Personalrätin und Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) in Erding: Sie plädiert für eine engmaschige Abstimmung und für Vorsicht: „Wenn die Fälle stark zunehmen, sollte man überlegen, ob man Schulen und Kindertagesstätten für eine gewisse Zeit ganz schließt“, findet sie. Neu geschlossen werden mussten am Freitag die Grundschule Au im Kreis Freising und das Gymnasium in Tutzing (Kreis Starnberg). Zwei siebte Klassen des Anne-Frank-Gymnasiums in Erding kamen vorzeitig aus dem Skilager in Südtirol zurück – sie können jetzt in die Zwangsferien starten.

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