Söder präsentiert Ablaufplan

Corona in Bayern: Söder setzt auf „Impf-Hierarchie“ - Huml warnt vor „Herausforderung“

Das bayerische Kabinett mit Ministerpräsident Markus Söder hat ein Corona-Impfstoffkonzept beschlossen. Einfach wird die Umsetzung wohl nicht werden.

  • Sobald ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zugelassen ist, wird die Nachfrage groß sein.
  • Bayern plant mit der Umsetzung der Corona-Impfung aktuell mit 100 Millionen Euro.
  • Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte Risikopatienen den Vorrang geben.

München – Während die Infektionszahlen täglich steigen, hofft die ganze Welt darauf, dass bald ein Impfstoff* gegen das Coronavirus* einsetzbar wird. Eine Impfpflicht soll es nicht geben. Trotzdem wird das Vakzin wohl nicht von Anfang an in ausreichender Menge für alle zur Verfügung stehen, die sich freiwillig schützen wollen. Das bayerische Kabinett hat deshalb ein Impfkonzept beschlossen. Für die Umsetzung stehen vorerst 100 Millionen Euro zur Verfügung.

An fast 200 möglichen Corona-Impfstoffen wird derzeit weltweit mit Hochdruck geforscht, darunter sind auch die Projekte der deutschen Unternehmen Biontech und CureVac. Biontechs Wirkstoff befindet sich bereits in der letzten Phase der klinischen Prüfung – als einer von etwa einem Dutzend Kandidaten. Dennoch rechnet das Bundesgesundheitsministerium offiziell frühestens Anfang nächsten Jahres mit einem einsetzbaren Vakzin. Noch offen ist zudem, wie lange ein Impfschutz vorhält und ob er nur vor einem schweren Verlauf* schützt oder auch vor einer Übertragung.

Markus Söder (CSU) setzt auf eine klare Rangfolge bei einer möglichen Corona-Impfung.

Corona in Bayern: Söder (CSU) präsentiert Ablaufplan für Impfung

So oder so – die Nachfrage wird groß sein. Und wenn es so weit ist, soll keine Zeit verloren werden. Die Staatsregierung setzt deshalb schon jetzt Prioritäten. Es gebe für Bayern eine „klare Impf-Hierarchie“, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU*). Zuerst geimpft werden sollen demnach klassische Risikopatienten – also alte Menschen, chronisch Kranke, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen. Gerade Ältere stellen auch in der Impfforschung eine besondere Herausforderung dar. Da ihr Immunsystem bereits schwächer ist als in jüngeren Jahren, halten es Experten für wahrscheinlich, dass sie eine größere Menge an Impfstoff benötigen.

Außerdem sollen besonders ansteckungsgefährdete Berufsgruppen bei der ersten Impfwelle dabei sein – also insbesondere medizinisches und pflegerisches Personal. Dasselbe gilt für diejenigen, die bei Polizei, Feuerwehr oder im Gesundheitswesen in sensiblen Bereichen der kritischen Infrastruktur arbeiten. Auch wer wegen beengter Wohnverhältnisse ein hohes Risiko trägt, soll zu den Ersten gehören, die geschützt werden.

Coronavirus in Bayern: Zentren für Impfstoff eine „logistische Herausforderung“

Um all diese Menschen schnell und effizient impfen zu können, plant die Staatsregierung den Aufbau von Impfzentren in Bayern, die mit den heutigen Testzentren vergleichbar sein sollen. „Eine logistische Herausforderung“, sagt Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Für Lagertemperaturen von minus 70 Grad müssen Ultratiefkühlschränke eingesetzt werden. Zusätzlich sollen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten mobile Impfteams entstehen, die zum Beispiel ganze Alten- und Pflegeheime impfen oder eingeschränkte Menschen zu Hause besuchen sollen. Bei einer ersten Abfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns haben sich 1851 Ärzte bereit erklärt, die Impfungen in den Zentren oder mobilen Teams durchzuführen.

Die Impfkommission am Robert-Koch-Institut* rechnet damit, dass eine umfassende Impfung der Bevölkerung bis 2022 dauern wird. Daher werde auch eine spürbare Veränderung des Infektionsgeschehens* nicht sofort eintreten, sagte der Virologe Thomas Mertens. „Wenn man pro Tag 100.000 Menschen impfen kann, und das ist eine Herausforderung, braucht man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen.“ *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Angela Merkel verkündete einen begrenzten Lockdown für Deutschland, Markus Söder will für Bayern den Katastrophenfall ausrufen. Heute gibt er eine Regierungserklärung ab.

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Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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