Pandemie trifft den Einzelhandel in Bayern hart

Corona senkt Laden-Mieten: 50 Prozent weniger Kunden – Preise um fast 10 Prozent runter

Geschäftsschließung: Corona zwingt viele Geschäfte zur Aufgabe.
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Geschäftsschließung: Corona zwingt viele Geschäfte zur Aufgabe.

Das Coronavirus betrifft den Einzelhandel besonders: Immer weniger Menschen gehen zum Shoppen nach draußen. Das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider - und bei der Ladenmiete.

München - Die dramatische Situation des Einzelhandels während der Corona-Einschränkungen zeigt sich nun auch bei den Ladenmieten. Sie gingen nach rund 13 Jahren auf höchstem Niveau deutlich zurück. In Bayerns Top-Lage, der Kaufingerstraße in München lag die Miete für ein 80 Quadratmeter großes Geschäft mit fünf Metern Ladenfront jahrelang über 400 Euro pro Quadratmeter im Monat. Seit März ist der Preis von 410 auf 370 Euro gefallen – um 9,8 Prozent!

Die Zahlen veröffentlichte der Maklerverband IVD Süd in seinem Marktbericht. In Stadtteilzentren wie Schwabing oder dem Rotkreuzplatz kostete eine vergleichbare Miete nur noch 88 statt wie vorher 95 Euro. Selbst bei Läden in absoluten Nebenlagen oft in Wohngebieten sank die Miete von zehn auf 9,50 Euro.

Deutlich weniger Passanten in den Einkaufsstraßen

Ursache: Die Kunden bleiben weg. Das bestätigte am Donnerstag die Passantenfrequenzauswertung des Immobilienvermittlers Engel & Völkers für Deutschlands geschäftigste Shoppingmeilen. Am 30. November ging die durchschnittliche Zahl der Passanten pro Stunde in der Neuhauser Straße gegenüber dem ersten Adventssamstag 2019 um 56,4 Prozent zurück – auf 7733. In der Kaufingerstraße betrug der Rückgang 53,0 Prozent, in der Schützenstraße 53,4 Prozent. Lediglich in der Maximilianstraße fiel er mit 43,5 Prozent etwas geringer aus.

Einen dramatischen Rückgang in den Lockdownphasen hatte auch die Passantenfrequenzzählung des IVD ergeben: Sie sank im März um bis zu 94 Prozent gegenüber dem Höchstwert vom Februar. Im noch geltenden Teil-Lockdown waren es bis zu 52 Prozent. Bereits die vorübergehende Maskenpflicht im September war ein Kundenvertreiber: 44 Prozent bleiben weg.

Coronavirus: Mietpreisrückgänge in den bayerischen Großsstädten

Im Durchschnitt der bayerischen Großstädte kam es ebenfalls zu deutlichen Mietpreisrückgängen – im Geschäftskern, je nach Lage und Ladengröße, zwischen minus 2,1 und minus 4,9 Prozent. Ein deutliches Minus verzeichneten u. a. Augsburg und Nürnberg: Für kleinere Läden (60 Quadratmeter) gingen die Mieten um 10,8 bzw. 7,4 Prozent zurück, für größere Läden (150 Quadratmeter) sank das Preisniveau um 12,1 bzw. 2,9 Prozent. Zu marginalen Preissteigerungen für beide Ladengrößen kam es lediglich in Erlangen.

Im Gefolge der Corona-Krise werde sich das Straßenbild in den bayerischen Innenstädten wandeln, da ist sich IVD-Chef Prof. Stephan Kippes sicher. Neben den größten Leidtragenden - der Gastronomie und Hotellerie – bleibe eben auch der Einzelhandel nicht verschont. Dort hatte es aufgrund der steigenden Umsätze der Online-Händler schon vor der Pandemie etwas gekriselt. Gerade eine Verlängerung des derzeitigen Teil-Lockdowns in die Vorweihnachtszeit hinein, also in die für gewöhnlich umsatzstärkste Zeit des Jahres, werde den stationären Händlern weiter zusetzen, so Kippes. Etablierte Marken wie H&M oder Es­prit haben bereits angekündigt, ihr bis dato dichtes Filialnetz auszudünnen. „Die großen Filialisten könnten künftig vermehrt auf wenige repräsentative Flagship-Stores in den Innenstädten setzen, die eigentlichen Verkaufsabschlüsse würden dann noch mehr ins Online-Geschäft wandern.“ - Martin Prem

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