Interview

Abitur in Gefahr? Bayerns Kultusminister Piazolo äußert sich zum Coronavirus

Bayern: Abitur in Gefahr? Bayerns Kultusminister Piazolo äußert sich zum Coronavirus
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Bayerns Kultusminister Michael Piazolo.

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (FW) spricht im Interview über das Coronavirus und die Auswirkungen auf Schulen - ist das Abitur in Gefahr?

  • Das Coronavirus versetzt seit Januar 2020 die Weltgemeinschaft in Unruhe.
  • Auch in Bayern werden immer mehr Infizierte festgestellt.
  • Kultusminister Michael Piazolo (FW) erklärt im Interview das Vorgehen der Staatsregierung, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus* zu minimieren.

München – Am Donnerstagabend stufte das Robert-Koch-Institut auch die norditalienische Provinz Bozen (Südtirol) als Risikogebiet ein. Am Samstag erließ Bayerns Gesundheitsministerium eine Verfügung, dass ab sofort Kinder, die in Südtirol oder anderen Risikogebieten in Urlaub waren, die Schule oder Kindertagesstätten nicht mehr besuchen dürfen. Kommt diese Verschärfung nicht zu spät? Und was ist mit dem Abitur? Ein Interview mit Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW).

Herr Piazolo, warum hat es bis Samstag gedauert, die Verfügung zu erlassen?

Das Robert-Koch-Institut hat am späten Donnerstagabend Südtirol zum Risikogebiet erklärt. Wir haben darauf sofort reagiert und uns im Krisenstab mit dem Gesundheits- und Innenministerium besprochen. Auch in dringlichen Situationen ist es wichtig, überlegt zu handeln. Verfügungen wie diese müssen genau abgestimmt werden. Schnellschüsse hingegen gehen oft genug nach hinten los. Von unserer Seite wurde die Verfügung übrigens bereits am Freitagabend verabschiedet.

Gefahr der Corona-Ansteckung: „Kultusminister sollten sich untereinander abstimmen“

Bis dahin herrschte in den Schulen Verunsicherung. Einige Schulleiter haben am Freitag Südtirol-Schüler nach Hause geschickt, andere nicht.

Wir vom Ministerium stehen unseren Schulleitern immer zur Seite. Sie können sich immer an uns wenden. Dass in einer solchen Lage, die sich dynamisch entwickelt, eine gewisse Verunsicherung besteht, ist meines Erachtens normal.

Weniger Verunsicherung gab es in Baden-Württemberg. Dort wurde am Freitagvormittag eine Verfügung erlassen.

Ja, die Baden-Württemberger sind vorgeprescht. Ich bin der Meinung, dass sich die Kultusminister untereinander abstimmen sollten. Ich habe am Freitag in einer Telefonkonferenz mit vielen Kultusministern gesprochen, wir haben uns gegenseitig informiert und uns über weitere Maßnahmen ausgetauscht.

Heißt das, es wird eine entsprechende Verfügung in allen Ländern geben?

Nicht alle Bundesländer sind gleichermaßen betroffen. In Sachsen-Anhalt beispielsweise gibt es bisher keinen einzigen Verdachtsfall.

Piazolo zu Corona: „Es geht darum, eine weitere Ansteckungsgefahr zu minimieren“

Zurück nach Bayern: Kinder, die während der Faschingsferien in Südtirol in Urlaub waren, waren nun eine Woche in der Schule oder im Kindergarten. Wie sinnvoll ist es jetzt, diese Kinder zu Hause zu lassen?

Südtirol galt bisher nicht als Risikogebiet. Wir haben seit Donnerstagabend eine neue Situation, auf die wir reagieren mussten. Es geht darum, eine weitere Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Wie viele Schulen in Bayern wurden bisher aufgrund eines bestätigten Corona-Verdachts geschlossen?

Vor dem Wochenende waren zwölf Schulen der insgesamt 6000 Schulen in Bayern betroffen. Diese Zahl kann sich täglich erhöhen.

Wie viele Schüler sind nach den Faschingsferien der alten Empfehlung gefolgt und zu Hause geblieben?

Die geschlossenen Schulen herausgerechnet war es im Durchschnitt weniger als ein Schüler pro Schule.

In Hessen beginnt am 19. März das Abitur, in Bayern Ende April. In einigen Kernfächern gibt es einen länderübergreifenden Aufgaben-Pool. Müsste man nicht jetzt über eine bundesweite Verschiebung der Abiturprüfungen nachdenken?

Nach der jetzigen Faktenlage steht eine Verschiebung des Abiturs noch nicht zur Debatte. Aber natürlich müssen wir die Situation jeden Tag neu bewerten. Niemand kann sagen, wie sich die Lage entwickeln wird, das zeigen allein die vergangenen zwei Wochen. Ich werde auf der Kultusministerkonferenz aber auch diese Frage mit meinen Kollegen erörtern.

Interview: Bea Oßberger

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Alle Informationen zu Schulausfällen in Bayern finden Sie in unserer Übersicht.

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