Polizei meldet

Ausflug trotz Ausgangsbeschränkung? Wanderer drängen auf Berg - „Fühlen uns sicherer als beim Einkaufen“

Coronavirus in Bayern: Die Polizisten haben ein arbeitsreiches Wochenende hinter sich.
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Auf dem Wanderparkplatz am der Waldherralm (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) gab es am Samstagmittag kaum freie Plätze.

Bayerns Polizisten haben ein arbeitsreiches Wochenende hinter sich. Vor allem dort, wo am Samstag bei Kaiserwetter viele Ausflügler unterwegs waren.

München – Ob es an der Debatte um die Münchner Ausflügler gelegen hat, die die Bürgermeister in der Corona-Krise nicht am Tegernsee sehen wollten? Zumindest vermuten die Beamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim, dass es deshalb im Tegernseer Tal (Kreis Miesbach) an diesem sonnigen Frühlingssamstag ruhiger zuging als andernorts in Bayern. „Wahrscheinlich hat die Berichterstattung einige abgeschreckt“, vermutet Pressesprecherin Carolin Hohensinn. „Im Oberland war nämlich einiges los.“

Vor allem in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau seien trotz der umfassenden Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie viele Menschen unterwegs gewesen. Außerdem steuerten viele die Gegend rund um den Starnberger See und den Ammersee an. „Im Prinzip die A 95 von München runter“, meint Hohensinn. „Auch, wenn die Kennzeichen nicht zwingend etwas über die Herkunft aussagen, war es mehrheitlich Ausflugsverkehr.“

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Coronavirus/Bayern: Ausflug trotz Ausgangsbeschränkung? „Sicherer als beim Einkaufen“

In den Isarwinkel und das Walchenseegebiet (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) zog es vor allem Wanderer und Mountainbiker. Eine junge Frau, die mit dem Radl Richtung Röhrlmoos-Alm unterwegs war, sagte: „Ich brauche den Ausgleich, zu Hause fällt mir sonst die Decke auf den Kopf.“ Angst oder Bedenken habe sie keine. Und ein Ehepaar aus Lenggries, das von der Jachenau aus auf dem Weg zum Hirschhörndlkopf war, meinte: „Hier fühlen wir uns sicherer als beim Einkaufen.“ Die meisten Ausflügler starteten am Kesselberg und am Parkplatz der Waldherr-Alm, die Ausgangspunkt für Touren auf Haigelkopf, Blomberg und Zwiesel ist. Fast hundert Autos standen hier am Samstagmittag. Allerdings verhielten sich die meisten vorbildlich: Gruppen waren nicht zu sehen.

An Schliersee und Tegernsee (Kreis Miesbach) musste die Polizei dagegen ein paar Sonnenanbeter heimschicken. Auf einem Steg der Schifffahrt am Schliersee etwa picknickten vier junge Erwachsene, in der Kuranlage sonnten sich Paare und Senioren auf den Bänken. In Rottach-Egern wurden vier Jugendliche verwarnt, die mit Prosecco und Bier die Sonne genießen wollten.

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Coronavirus/Bayern: Reges Treiben in Garmisch - Wanderer drängen auf den Berg

Auch rund um Garmisch-Partenkirchen herrschte reges Treiben. An der Talstation der Kreuzeckbahn, der Hausbergbahn und am Wank drängten Wanderer und Skitourengeher auf den Berg. Kennzeichen aus ganz Bayern waren hier zu sehen, vereinzelt auch aus Norddeutschland.

Die meisten Ausflügler, sagt Carolin Hohensinn, haben sich an die Auflagen gehalten. 3031 Kontrollen führte das Präsidium Oberbayern Süd am Samstag durch; im Bereich des Präsidiums Oberbayern Nord waren es über 3100. Zusammen kamen beide Präsidien auf 924 Verstöße und insgesamt knapp 400 Anzeigen. Dabei überwiege das Verständnis für die Maßnahmen. „Nur aus einer Dienststelle haben wir gehört, dass die Leute pampig reagiert haben“, sagt Hohensinn. Das Präsidium bedankt sich ausdrücklich, dass die Menschen Verantwortung zeigen.

Bei den Unbelehrbaren handelt es sich laut Polizei um Einzelfälle. In Gauting (Kreis Starnberg) mussten Beamte am Samstagmorgen eine private Geburtstagsfeier mit vier Personen auflösen. Am Westufer des Ammersees wollte ein 72-Jähriger sein Sonnenbad trotz mehrmaliger Aufforderung partout nicht beenden.

Coronavirus/Bayern: Wenn der Schrebergarten zum Friseursalon wird

Kurioses tat die Polizei in Unterfranken auf: In einem Schrebergarten wurde der heimliche Friseursalon eines 25-Jährigen entdeckt. Vier Kunden warteten bei dem provisorischen Salon in Würzburg auf eine neue Frisur, als die Polizei am Freitag einschritt.

Eine schnelle Lockerung der Beschränkungen ist nicht in Sicht: Ministerpräsident Markus Söder hat die strengen Auflagen am Wochenende erneut verteidigt. „Ich kann verstehen, dass man sein gewohntes Leben gerne weiterführt“, sagte er dem „Spiegel“. „Aber wann und in welcher Form wir wieder zur Normalität zurückkehren, hängt davon ab, wie sich die Zahlen der Infektionen und Todesfälle entwickeln. Aus heutiger Sicht kann es keine vorschnelle Entwarnung geben.“

VON R. BANNIER, A. KORIMORTH, D. BARTL UND K. BRACK

Wenig später in der Corona-Krise: Hat die Politik die Zahnärzte vergessen? Zahnarzt Dr. Siegfried Marquardt aus Tegernsee hat einen Brief an Jens Spahn geschickt*. Darin spricht er von einem „unfassbaren Skandal“.

Es war nicht anders zu erwarten: Schon am frühen Vormittag herrscht am Vatertag dichter Ausflugsverkehr im Landkreis Miesbach. Die Polizei ist vorbereitet.*

Die Bergwacht Berchtesgaden war am Pfingstwochenende gefordert: Am Hohen Göll steckten Wanderer aufgrund von Schneefeldern und Nebel fest - nicht nur einmal.

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