Enorme Mängel bei Polizeischülern

Schlechte Ausbildung wegen Corona-Krise: Polizei klagt über Defizite bei neuen Beamten

Corona in Bayern: Wegen der Pandemie wurde die Polizeischüler-Ausbildung verkürzt, der Vizepräsident der bayerischen Bereitschaftspolizei warnt nun vor Problemen.

  • Wegen Corona wurde ein Ausbildungsabschnitt bei den Bereitschaftspolizisten gestrichen.
  • Detlev Tolle, Vizepräsident der bayerischen Bereitschaftspolizei, schlägt Alarm: Wegen der Situation würden den neuen Beamten wichtige Fähigkeiten für die Arbeit im Polizeidienst fehlen.
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München – Der Ton ist nicht vorwurfsvoll, aber die Botschaft unmissverständlich. In einem Schreiben an das Innenministerium klagt Detlev Tolle, Vizepräsident der bayerischen Bereitschaftspolizei, über die „fachlichen Defizite“ von knapp 700 jungen Beamtinnen und Beamten. Ihnen fehlten wichtige „Kernkompetenzen“, vor allem in Bereichen, die für die Polizeiarbeit immer wichtiger würden. Das Schreiben vom 26. März dieses Jahres liegt unserer Zeitung vor. Tolles Fazit: Die Kollegen seien „keine vollständig ausgebildeten Polizisten“.

Corona in Bayern: Ganze Bereiche der Polizei-Ausbildung gestrichen 

Er zählt rund ein Dutzend Bereiche auf, in denen die Kollegen nicht geschult wurden. Themen, mit denen Polizisten täglich zu tun haben, etwa Bearbeitung von Online-Straftaten, die Aufnahme eines Verkehrsunfalls oder Personenkontrollen. Im fünften Ausbildungsabschnitt werden aber auch „lebensbedrohliche Einsatzszenarien“ trainiert, zum Beispiel ein Amoklauf. Tolle schreibt: „Ohne umfangreiches Training und bei dem in diesem Bereich zu erwartenden hohen Stresslevel ist ein geordnetes und koordiniertes Einschreiten der BIA (der Auszubildenden, Anm. d. Red.) nicht möglich.“

Auszubildende der Bereitschaftspolizei. 

Corona in Bayern: Ministerium verteidigt vorzeitigen Ausbildungs-Abbruch

Der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Richard Graupner, spricht mit Blick auf den Ausbildungsabbruch von einer „fatalen Fehlentscheidung“ der Staatsregierung. Die entstandene Lücke gefährde „im Extremfall Leib und Leben der jungen Beamten, ihrer Kollegen und unserer Bürger“. Graupner fordert Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf, ein Konzept vorzulegen, um die fehlenden Ausbildungsinhalte nachzuholen.

Polizeischülerausbildung: Innenministerium verteidigt Vorgehen in Corona-Krise

Das Innenministerium verteidigt den vorzeitigen Ausbildungs-Abbruch. Als die Entscheidung fiel, sei die Ausbreitung des Coronavirus nicht abzusehen gewesen, erklärte ein Sprecher. Es sei darum gegangen, den Absolventen auch den Abschluss zu ermöglichen; außerdem habe man in der Pandemie „alle verfügbaren Kräfte“ der Polizei zusammenziehen wollen. Inzwischen gibt es offenbar auch ein Nachhol-Konzept, das vor allem auf Online-Unterricht und das Training im Streifendienst setzt. Der Sprecher betont: Die wichtigen Kompetenzen wurden den Schülern vermittelt. „Sonst hätte auch die anspruchsvolle Abschlussprüfung nicht bestanden werden können.“

Tolle, der gestern persönlich nicht zu erreichen war, sieht das in seinem Schreiben deutlich anders. Ein Nachholen der Defizite sei „im Rahmen der regulären Fortbildung nicht möglich“, betont er. Das Ausbildungsniveau der jungen Beamten entspreche „nicht mehr dem Anspruch an eine qualitativ hochwertige Polizeiausbildung“. Unterm Strich hält er das Vorgehen zwar für vertretbar – „aber nur aufgrund der derzeitigen Ausnahmesituation“.

Lesen Sie auch: Streit um Corona-Regeln eskaliert: Wirtin und ihre Mutter attackieren Polizisten - Gaffer feuern sie an

Ein Wirt in Augsburg wollte nicht einsehen, dass er wegen Corona um 20 Uhr zusperren soll. Ein Gericht gab ihm recht. Hat die Entscheidung Auswirkungen für alle Restaurants?

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Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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