Umsatzeinbußen kaum aufzufangen

Corona in Bayern: Die Gastronomie kämpft nach dem Lockdown ums Überleben

Die Gaststätten haben wieder geöffnet, doch es gelten strenge Regeln. Ein Wirteverein fordert nun, dass diese gelockert werden sollen – denn das Gastgewerbe stehe vor dem Ruin. Zwei Wirte berichten aus ihrem Alltag.

  • Die Gastronomie in Bayern wurde von den Verboten und Einschränkungen in der Corona-Krise schwer in Mitleidenschaft gezogen.
  • Jetzt fordern die Wirte dringend Lockerungen der Corona-Auflagen.
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Münsing/München – „Warum Gastronomie unter diesen Auflagen nicht funktioniert“, so lautet der Titel eines offenen Briefs, den die Verantwortlichen des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur an die bayerischeStaatsregierung geschickt haben. In Bayern stehe man davor, das Gastgewerbe „völlig an die Wand zu fahren“, deshalb bedarf es dringend neuer Lockerungen der Corona-Auflagen*. Unter anderem fordert der Verein, dass die Zwei-Haushalte-Regelung fallen soll, das Bankett-Geschäft wieder ermöglicht werden, der Mindestabstand auf einen Meter reduziert und dieÖffnungszeiten verlängert werden sollen.

Corona in Bayern: Branche leidet wirtschaftlich extrem unter Coronakrise

Klar ist: Die Branche leidet wirtschaftlich extrem unter der Coronakrise, auch nach den ersten Lockerungen hat sich die Lage nicht wirklich entspannt. „Wir machen derzeit nur etwa 40 bis 50 Prozent des Umsatzes, den wir letztes Jahr um diese Zeit gemacht haben“, berichtet Giuseppe Tedesco, Wirt des italienischen Restaurants „Pinocchio“ in Münsing (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Drinnen könnte das Pinocchio derzeit 160 statt ursprünglich 240 Gäste bewirten. Aber nur theoretisch: Denn die Tische sind selten voll besetzt und die Kellner dürfen keine Fremden zu anderen mit an den Tisch setzen. „Es kann also auch gut sein, dass ich nur 80 oder noch weniger Leute im Haus habe“, erklärt Tedesco. Immerhin kommen Gäste, worüber Tedesco sehr froh ist, so könne er vielleicht „überleben“, sagt er: Mit dem Umsatz, den er im Moment macht, kann er zumindest die Kosten tragen, Personal und Miete. „Wenn ich es schaffe, dass ich dieses Jahr kostendeckend arbeite, dann werde ich schon etwas ruhiger“, erklärt er.

Strenge Regeln gelten überall, wie hier im Bräustüberl am Tegernsee; die Wirte kämpfen um ihr Überleben.

Ähnliche Umsatzeinbußen hat auch Jürgen Altmann, Besitzer der „Aroma Kaffeebar“ in München, er hat nun etwa 50 bis 60 Prozent weniger Umsatz. Das Aroma ist ein winzigkleines Café im Glockenbachviertel. Je weniger Raum zu Verfügung ist, desto weniger Gäste dürfen bewirtet werden – Altmann musste sich deshalb ein völlig neues Konzept ausdenken. Er wandelte einen Teil seines Cafés in eine Eisdiele namens „Eis Eis Baby“ um, zudem verkürzte er die Öffnungszeiten und ließ seine Produktpalette zusammenschrumpfen: Er bietet nun nur noch kleine Speisen an, „immer wechselnd, sehr kreativ“. 

Corona in Bayern: Wirt musste zwölf Mitarbeitern kündigen

Trotz all dieser Mühen musste Altmann zwölf Mitarbeitern kündigen, von fünf übrig gebliebenen ist immer noch ein Teil in Kurzarbeit, er selbst steht sieben Tage die Woche in seinem Café. Und er musste weitere Rückschläge in Kauf nehmen: Als er einen DJ engagierte, der Sonntagnachmittags in seiner Eisdiele sommerliche Musik für die Gäste draußen auflegte, gab es Beschwerden, die Stadt verbot ihm die Veranstaltung. „Das ist so schade, wenn man alles versucht, wenn man so kämpft, und dann darf man solche Sachen einfach nicht machen“, sagt Altmann. Und so ärgert es ihn manchmal, wenn er an der Isar vorbeifährt und dort die Massen am Strand und an den Kiosken sieht. Eine ähnliche Beobachtung machte auch Tedesco: „Die Regeln für die Lokale sind so streng, aber im Park sitzen die Leute alle beisammen, und am See sind massenweise Leute beim Baden.“

Altmann seufzt. „Es wäre einfach besser, wenn alles gleichberechtigter ablaufen würde, dann käme da auch kein Unmut auf.“ Denn eines ist für ihn glasklar: „Die Gastronomie macht einfach das Leben in der Stadt aus – wenn sie mal tot ist, dann ist das einfach scheiße.“

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Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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