Corona in Bayern

Kurz nach Schulstart: Regierungsbestimmungen setzen Schulen unter Druck - „Schlicht unmöglich“

Die bayerische Landesregierung hat Pool-Tests und Impfangebote für Schulen angeordnet. Mit der Organisation hat man sie allerdings alleine gelassen.

München - Erst gestern (14. September) sind in Bayern die Schulen wieder losgegangen. Aber schon jetzt fühlen sich viele Lehrer und Schulleitungen überfordert. Grund sind zahlreiche neue Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie*, die den Bildungseinrichtungen aufgedrückt wurden. Nun hagelt es Kritik von Lehrerverbänden und der bayerischen Opposition.

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Lolli-Tests an Grund- und Förderschulen: Druck wird auf Schulen abgewälzt

Testen bleibt das Mittel der Wahl an bayerischen Schulen - vor allem an den niedrigen Jahrgangsstufen, bei denen noch nicht geimpft werden kann. Um es den Kleinen aber leichter und angenehmer zu machen, hatte die bayerische Landesregierung beschlossen, an Grund- und Förderschulen sogenannte Lolli-Tests einzuführen. Also Pool-Tests*, bei denen die Kinder nur ein Teststäbchen ähnlich wie ein Lolli ablutschen müssen, anstatt das Stäbchen in die Nase zu bekommen. An sich eine gute Idee - nur wer für die schnelle Umsetzung zuständig ist, daran scheiden sich die Geister.

Alles musste bei der Umsetzung der Lolli-Tests schnell gehen. „Das Schuljahr beginnt, wie das alte geendet hat: Hektik, Stress und großer Druck. Musste das so sein?“, so die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, in München. Erst am Freitag habe das Ministerium die Schulen über die neuen PCR-Pooltests informiert, bemängelte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit den kindgerechten Lolli-Tests zum Lutschen soll es bereits am nächsten Montag flächendeckend losgehen. „Das ist Wahnsinn“, so Landesvize Florian Kohl. Binnen weniger Tage sollten die Eltern informiert, Einverständniserklärungen eingeholt, Elternabende abgehalten, Zugänge zu einer digitalen Schnittstelle erstellt und die Logistik geklärt sein. „Das ist schlicht unmöglich“, betonte Kohl.

Corona: Impfangebote an Schulen sollte in der Verantwortung der Regierung liegen

Weiter kam Kritik von Lehrerverbänden und der Opposition wegen der Organisation von Impfangeboten an weiterführenden Schulen. Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) hatte noch zum Ende vergangenen Schuljahrs angekündigt, dass es solche Aktionen an Schulen geben werde, sollte die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für Jugendliche ab zwölf Jahren befürworten. Auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) unterstützte diese Idee. Nur die Umsetzung wurde jetzt am Ende den Schulen aufgehalst.

„Die Abgabe der Verantwortung ist Wahnsinn“, sagte Fleischmann dem BR. „Die Organisation ist nicht zu stemmen, die Schulleiter geraten schon am ersten Schultag unter Druck.“ Laut der BLLV-Präsidentin würden die Schulleiter den Eindruck bekommen, dass das Ministerium nach eineinhalb Jahren Krisenmanagement nicht verstanden habe, wer welche Aufgaben zu erledigen habe. Zugrunde liegt der ganzen Aktion ein Schreiben des Kultusministeriums vom 19. August in dem man den Schulleitern mitgeteilt habe, „zeitnah Kontakt mit dem für Sie örtlich zuständigen Impfzentrum aufzunehmen und noch in den Sommerferien die notwendigen Vorbereitungen zu treffen“.

Unterstützung erhält der BLLV von der bayerischen Opposition. Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dominik Spitzer, sagte dem BR: „Anstatt die Organisation für niederschwellige Impfangebote vor Ort durch mobile Impfteams selbst in die Hand zu nehmen, hat man die Arbeit den Schulaufwandsträgern und den Schulen aufs Auge gedrückt.“ Noch deutlicher formulierte es die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Gabriele Triebel: „Wenn Herr Söder beim Impfen Gas geben will, dann soll er sich darum kümmern.“ Dass die Schulleiter jetzt in der Verantwortung seien, bringe das Fass zum Überlaufen. (tel mit dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Reichel/dpa/Symbolbild

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