Streit an der Grenze zu Österreich

Grenzfall Corona-Regeln: Pendler aus Tirol brauchen Attest, bayerische Skifahrer nicht

Skifahrer fahren bei starkem Wind eine Piste herunter.
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In Österreich gerät die Corona-Lage außer Kontrolle.

Corona sorgt an der bayerisch-österreichischen Grenze für Ärger. Wer welche Nachweise braucht, um über die Grenze zu kommen, löst bei manchen Unverständnis aus.

  • Die Corona-Pandemielage spitzt sich weiter zu.
  • An der bayerisch-österreichischen Grenze gibt es Diskussionsbedarf wegen der neuen Regeln.
  • Berufspendler aus Österreich brauchen ein Attest - ihre bayerischen Gegenüber oder Skiurlauber nicht.

München - Die bayerischen Corona-Regeln an der Grenze sorgen wieder für Ärger: Seit Samstag brauchen Pendler aus Österreich ein Attest, wenn sie in Bayern arbeiten. Pendler aus dem Freistaat, die in Tirol oder Salzburg ihren Arbeitsplatz haben, brauchen keines. Das sorgt auf der anderen Seite der Grenze für Kopfschütteln. Skifahrer aus Bayern können ohnehin immer noch in den Risikogebieten Tirols und Salzburgs übernachten.

Einmal pro Woche müssen Berufspendler bei der Einreise nach Deutschland jetzt einen negativen Coronavirus-Test vorweisen. Grund: Deutschland hat fast ganz Österreich zum Risikogebiet erklärt. Die Salzburger Arbeiterkammer erwartet laut ORF jetzt „ein Testchaos“, die Wirtschaftskammer Salzburg spricht von „überfallsartigen Erlässen und Warnungen“ aus Bayern. „Eine gewisse Vorbereitungszeit wäre wünschenswert gewesen“, schimpft Tirols Landeschef Günther Platter. Österreichs Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) will morgen bei einem Besuch bei Ministerpräsident Markus Söder (CSU) über die Corona-Beschränkungen und die ausgeweiteten Reisewarnungen sprechen.

Laut bayerischem Gesundheitsministerium können sich österreichische Pendler einmal pro Woche gratis in den Teststraßen der Landkreise testen lassen. Für bayerische Pendler hingegen, die in Salzburg arbeiten, gelte keine Testpflicht, sie fielen bei der Rückreise nach Deutschland auch nicht unter die Quarantäneverordnung, sondern es gelte die Ausnahmeregelung der Kurzaufenthalte.

Kanzlerin Merkel verkündete mit Ministerpräsident Markus Söder einen Corona-Lockdown für November. Heute tagt das bayerische Kabinett über die Umsetzung im Freistaat.

Ski-Jugend des TSV 1860 reist ins Trainingslager nach Österreich

Die gilt auch weiterhin für Aufenthalte unter 48 Stunden in den österreichischen Risikogebieten. So reiste die Jugend der Skilöwen des TSV 1860 München am Samstag zum zweitägigen Training am Resterkogel in Tirol an – die Bergbahn AG Kitzbühel lud da am Samstag zur Saisonseröffnung des ersten Nicht-Gletscherskigebietes in Österreich ein. „Wir halten uns an die Regeln, es gibt ein ausgereiftes Hygienekonzept“, so Abteilungsleiter Andreas Most zur tz. Auch in den Gletscherskigebieten wie Hintertux herrschte am Wochenende wieder Hochbetrieb, obwohl die 7-Tage-Inzidenz im Bezirk Schwaz, in dem Tux liegt, am Sonntag mit 465 (!) angegeben wurde. In Berchtesgaden hatte die bayerische Regierung bei einer Inzidenz von 270 die Evakuierung von rund 2500 Urlaubern angeordnet.

Wer länger als 48 Stunden in Österreich war, muss nun nach seiner Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne. „Die Reisewarnung ist das Schlimmste, das uns jetzt noch passieren hat können. Deutschland ist unser größter Markt, das trifft die Stadthotellerie ganz besonders, aber auch die Landhotellerie, denn es wären jetzt Herbstferien und es gibt Stornierungen en masse“, klagt der Sprecher der Salzburger Hotellerie, Georg Imlauer, im ORF. Salzburgs Wirtschaftskammer hofft auf ein zwischenstaatliches Abkommen mit Berlin, wonach Rückkehrer sich mit einem negativen Test von der Quarantäne befreien lassen können. Johannes Welte - *merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

In zwei bayerischen Kreisen gilt ein faktischer Corona-Lockdown. Nun berät sich das Kabinett. Anschließend informiert Markus Söder bei einer Pressekonferenz.

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