Treffen mit Markus Söder

Trotz bedenklich hoher Zahlen: Staatskanzleichef Herrmann schließt Lockdown aus – auch für Ungeimpfte

Collage: Staatskanzleichef Herrmann neben zusammengestellten Stühlen
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Staatskanzleichef Herrmann schließt Lockdown aus

In Teilen Bayerns liegt die Corona-Inzidenz bedenklich hoch und erfordert laut Florian Herrmann „höchste Aufmerksamkeit“. Jetzt gab es ein Krisengespräch in München.

München – Wenn das Thema schon bedrückt, soll wenigstens das Ambiente entspannt sein. Kurzfristig hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* (CSU*) die Landräte und Oberbürgermeister mit den größten Corona*-Sorgen nach München geladen – am Dienstagmorgen sitzen dann zehn Kommunalpolitiker unter gewaltigen Kronleuchtern in einem Saal der Münchner Residenz. Dazu das bayerische Kabinett. Krisen-Austausch. Das Gespräch sei sehr gut gewesen, heißt es hinterher von allen Seiten. Aber ergebnislos.

Hintergrund des Treffens sind die Corona-Inzidenzen, die vor allem im Süden und Südosten Bayerns bedenklich hoch liegen. Die Situation erfordere „höchste Aufmerksamkeit“, sagt Staatskanzleichef Florian Herrmann bei einer Pressekonferenz. Man habe bewusst keine konkreten Maßnahmen beschlossen, sondern die Lage in den betroffenen Kreisen und Städten diskutiert.

Ergebnis: Das Ausbruchsgeschehen ist recht diffus, das Kern-Problem in den betroffenen Regionen gleich. Wo die Inzidenzen hoch sind, sind die Impfquoten niedrig. Der Kreis Berchtesgadener Land etwa liegt bei 54,5 Prozent, weit unter Bayern-Schnitt. „Wir brauchen noch mal eine verstärkte Impfkampagne“, sagt Landrat Bernhard Kern (CSU) nach dem Treffen. Man werde bei dem Thema sicher nicht locker lassen.

Coronavirus Bayern: „Klinik-Ampel“ zeigt in einigen Regionen längst auf Rot

Die Auswirkungen der schwachen Impfquote zeigen sich im Einzelnen sehr konkret. In den Kliniken liegen vorwiegend Ungeimpfte, stellenweise sind die Intensivstationen voll, Patienten müssen wieder in andere Krankenhäuser verlegt werden. Die Anspannung steigt. Während die maßgebliche „Klinik-Ampel“ bayernweit auf Grün steht, sei sie in einigen Regionen längst auf Rot, heißt es. Rosenheims Landrat Otto Lederer mahnt daher eine reibungslose Koordination zwischen den Kliniken an. Patienten-Verlagerungen müssten „schneller und unbürokratischer gehen“.

Die Ampel gilt inzwischen als wichtigster Corona-Warnwert. Welche Maßnahmen ergriffen werden, wenn sie bayernweit auf Gelb springt, ist aber weiter unklar. Man habe die Schritte „noch nicht ausdifferenziert“, sagt Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Das schnell nachzuholen, ist dringender Wunsch der Landräte.

Coronavirus Bayern: Auch eine mögliche Maskenpflicht im Klassenraum wird diskutiert

Auch eine mögliche Maskenpflicht im Klassenraum wird diskutiert. Holetschek zeigt sich offen. Er könne sich gut vorstellen, das Thema nach den Ferien „noch mal zu besprechen“. Zuvor hatte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, unter anderem Bayern attestiert, „beim Hygieneschutz an Schulen eher zu den Schmuddelkindern als zu den Musterknaben“ zu gehören. Die steigende Inzidenz bei jungen Menschen zeige, dass die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht falsch gewesen sei.

Es ist kein kontroverses Treffen, soll es auch nicht sein. Viele Landräte sind froh, dass trotz der hohen Zahlen im eigenen Gebiet keine scharfen, vielleicht gar regional begrenzten Maßnahmen folgen. Einen Lockdown will die Staatsregierung ohnehin und grundsätzlich vermeiden. „Wir wollen auch keinen Lockdown für Ungeimpfte als theoretisch denkbare Maßnahme“, sagt Herrmann, wobei einzelne Landräte sich sehr wohl klare Ansagen im Umgang mit Impfmuffeln wünschen. Vorerst werden die bestehenden Corona-Maßnahmen bis 24. November verlängert. Zwei Tage später endet bundesweit die epidemische Lage. Herrmann fordert deshalb erneut Rechtssicherheit. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Obwohl er zweifach geimpft ist, hat sich Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber mit dem Coronavirus infiziert. Wo er sich angesteckt hat, ist unklar.

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