Prozess in Augsburg

Bestialischer Doppelmord von Gersthofen: Angeklagter ganz kühl

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Der Ort bei Gersthofen, an dem die beiden Leichen gefunden wurden. Ein 31-Jähriger muss sich wegen der Tat nun vor Gericht verantworten.

Weil sein Konto stets in den Miesen war, soll er einen brutalen Mordplan ausgeheckt haben. Die Kripo glaubt, die beiden Nachbarinnen mussten deswegen sterben. Doch am Angeklagten perlen die Vorwürfe ab.

Augsburg - Äußerlich völlig ungerührt verfolgt der 31-Jährige die Verlesung der Anklage zu dem Doppelmord an seinen Nachbarinnen. Während der Zeugenaussagen macht der Angeklagte sich permanent Notizen. Ansonsten schweigt er auch am Mittwoch vor Gericht - wie schon bei den monatelangen Ermittlungen.

Dabei soll er bestialisch im Augsburger Vorort Gersthofen ein Frauenpaar umgebracht haben. Dutzendfach soll er zugestochen haben, die Gerichtsmediziner stellten eine Vielzahl von bis zu 25 Zentimeter tiefen Stichen fest. Dann soll der 31-Jährige die beiden Leichen nahezu spurlos beseitigt haben. Die nächsten Wochen muss nun das Landgericht Augsburg das Puzzle von Indizien zusammensetzen.

Verteidiger: „Er wird nichts sagen“

Zu Prozessbeginn macht der Angeklagte gerade noch Angaben zu seinen Personalien, dann kommt nichts mehr. „Er wird nichts sagen“, erklärt sein Verteidiger Walter Rubach und betont, dass es sich dabei nicht um eine Strategie der beiden Anwälte des 31-Jährigen handelt: „Das ist seine Entscheidung.“

Nach der Schilderung von Staatsanwältin Martina Neuhierl handelt es sich bei dem Fall um einen klassischen Raubmord. Der 31-Jährige ist demnach chronisch pleite gewesen. Er habe Schulden von 130 000 Euro gehabt und sein Bankkonto sei stets an der Überziehungsgrenze gewesen. Deswegen soll der 31-Jährige auf die Idee gekommen sein, das lesbische Paar aus dem Nachbarhaus zu töten, da die 49 und 50 Jahre alten Frauen nicht zuletzt aufgrund einer Erbschaft über erhebliches Vermögen verfügten. Das Paar war seit mehr als zwei Jahrzehnten liiert, seit zehn Jahren lebten die Frauen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft im eigenen Haus.

Angeklagter soll problemlos ins Haus gekommen sein

Da die Mutter des Angeklagten mit den Frauen befreundet war und sich bei deren Urlauben um die Katze und die Blumen kümmerte, war im Elternhaus des 31-Jährigen permanent ein Schlüssel zu dem Nachbargebäude deponiert. Damit soll der Angeklagte, der bei seinen Eltern in einer Einliegerwohnung lebte, am Morgen des 9. Dezember 2016 problemlos in das Haus der Frauen gelangt sein.

Dort hat er laut Staatsanwältin Neuhierl die 50-Jährige überrascht und ihr ins Gesicht geprügelt, um die Geheimzahl ihrer Bankkarte zu erfahren. Dann soll der Mann die beiden Frauen umgebracht und deren EC-Karten sowie Bargeld gestohlen haben. So soll er in den Folgetagen an Bankautomaten im Raum Augsburg und in Prag mehr als 5000 Euro abgehoben haben. Die Leichen soll der Mann etwa zweieinhalb Kilometer entfernt am Ufer des Flusses Schmutter vergraben haben. Dort fand die Polizei die Toten am 21. Dezember.

Spuren der Bluttat penibel weggeputzt

Vor Gericht schilderten die Schwestern der Opfer, die beide auch Nebenklägerinnen sind, sowie Kollegen die verzweifelte Suche nach den Frauen, als plötzlich der Kontakt abbrach. Die Zeugen fuhren nach dem Verschwinden zu der Wohnung der Opfer und schauten nach den Frauen. Die Mutter des Angeklagten, die ja den Schlüssel zum Haus hatte, und der 31-Jährige selbst halfen dabei. Spuren von der Bluttat entdeckten die Angehörigen keine mehr. Die soll der Nachbar da schon penibel weggeputzt haben.

Die 35-köpfige Sonderkommission hatte dennoch schnell den 31-Jährigen im Verdacht, er wurde schon Tage vor der Entdeckung der Leichen festgenommen. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf eine Indizienkette. So fanden die Ermittler im Auto des Mannes beispielsweise einen Kassenzettel für einen Spaten. Damit soll er die Leichen verscharrt haben. Ein entsprechender Spaten wurde dann in der Nähe des Fundorts der Toten entdeckt.

Ob solche Hinweise für eine Verurteilung ausreichen, müssen nun die Richter klären. Die Strafkammer hat mindestens 16 Verhandlungstage eingeplant, das Urteil könnte demnach am 6. Dezember verkündet werden.

dpa

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