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70 Lebensretter ausgezeichnet: Zwei Eichenauer erzählen, wie sie einen Mann von den Gleisen retteten

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Von: Katrin Woitsch

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Lukas Rautenberg und Sebastian Mack (von links) zeigen ihre Rettungsmedaillen, rechts im Bild Ministerpräsident Markus Söder
Bescheidene Helfer: Lukas Rautenberg und Sebastian Mack (von links) retteten mit Sandra Bauer (sie konnte nicht zur Ehrung kommen) einen 17-Jährigen, der auf die Bahngleise gestürzt war. Markus Söder überreichte ihnen dafür Rettungsmedaillen. © Marcus Schlaf

Die jüngste war 9, der älteste 79: Ministerpräsident Markus Söder hat am Montag 70 Lebensretter mit Medaillen ausgezeichnet. Hier erzählen vier von ihnen ihre Geschichten.

Der Tag, an dem Lukas Rautenberg und Sebastian Mack Lebensretter werden, ist ein kalter Februartag. Die beiden Freunde aus Eichenau stehen am Bahnhof in Gernlinden im Kreis Fürstenfeldbruck und warten auf dem Zug, als sie plötzlich Schreie hören.

Zwei junge Männer streiten sich lautstark an der Bahnsteigkante. Plötzlich holt einer aus und schlägt dem anderen mit der Faust mitten ins Gesicht. Der 17-Jährige fällt rückwärts auf die Gleise. Er ist nicht bewusstlos, kann aber ohne Hilfe nicht mehr aufstehen. Lukas Rautenberg und Sebastian Mack laufen los, genau wie die damals 15-jährige Sandra Bauer – die beiden Schulfreunde kennen das Mädchen nicht, aber es dauert nur Sekunden, bis sie ein Lebensretter-Team sind. Lukas und Sandra springen auf die Gleise und ziehen den 17-Jährigen an die Bahnsteigkante. Von dort zieht Sebastian ihn nach oben.

Den drei Jugendlichen gelingt es, den Verletzten in Sicherheit zu bringen, bevor der Zug einfährt. Sie legen eine Jacke unter seinem Kopf und machen das, was sie im Erste-Hilfe-Kurs, den sie für den Führerschein machen mussten, gelernt haben. „Wir haben ihn in die stabile Seitenlage gelegt und kontrolliert, dass er atmet“, erzählt Sebastian Mack. Plötzlich ist er froh, dass er den Erste-Hilfe-Kurs machen musste, erzählt er bei der Ehrung. So habe er sich nicht so hilflos gefühlt.

Erst als der junge Mann in eine Klinik gebracht wird, begreifen die drei Jugendlichen, was gerade passiert ist. „In dem Moment hat man keine Zeit zum Nachdenken“, sagt Lukas Rautenberg. „Die ganze Situation war völlig surreal.“ Sandra Bauer haben sie nie wieder gesehen. Sie konnte gestern bei der Ehrung nicht anwesend sein. Lukas Rautenberg und Sebastian Mack hätten sie gerne noch mal getroffen.

Sie beweisen, dass es keine Frage des Alters oder des Geschlechts ist, ein Retter in der Not zu sein – sondern eine Frage der Herzenshaltung.

Markus Söder

Neben den beiden Eichenauern haben gestern 34 weitere Männer und Frauen eine Rettungsmedaille überreicht bekommen. 34 Bayern wurden mit der Christopherus-Medaille ausgezeichnet. Sie alle haben Menschen aus dem Wasser oder aus brennenden Gebäuden gerettet, waren Ersthelfer bei Unfällen oder haben Menschen im letzten Moment vor lebensgefährlichen Situationen bewahrt. Der jüngste Lebensretter war neun, der älteste 79. „Sie beweisen, dass es keine Frage des Alters oder des Geschlechts ist, ein Retter in der Not zu sein – sondern eine Frage der Herzenshaltung“, sagt Ministerpräsident Markus Söder, bevor er in der Residenz die Medaillen überreichte. „Sie geben uns das Vertrauen, dass es in unserer Gesellschaft Helden gibt und dass wir alle über uns hinauswachsen und Helden werden können.“

Sebastian Mack und Lukas Rautenberg würden sich selbst nicht als Helden bezeichnen. Über die Auszeichnung haben sie sich trotzdem gefreut. Vor allem aber darüber, dass es dem 17-Jährigen gut geht. Das haben sie nach ihrer Rettungstat von der Polizei erfahren. Auch ihn haben sie nie wieder gesehen. Die meisten ihrer Freunde wissen nicht, dass sie nun eine Rettungsmedaille besitzen. Vielleicht erzählen sie es irgendwann mal. Vielleicht bleiben sie auch stille Helden – so wie bisher.

Unter den 36 Bayern, die gestern die Rettungsmedaille vom Ministerpräsidenten überreicht bekamen, war auch Marcus Sperer aus Wallgau im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Er war vergangenes Jahr im Sommer mit einem Kameraden am Walchensee beim Angeln. Sein Freund erlitt einen Krampfanfall, wurde bewusstlos und kippte ins Wasser. Sperer sprang hinterher und hielt ihn vier Minuten über Wasser. Dabei wäre er selbst fast ertrunken – wenn nicht zwei Fischer hergerudert wären und ihm geholfen hätten, seinen Kameraden aus dem Wasser zu ziehen. „Ohne sie wäre es schlimm ausgegangen“, sagt er. Die beiden Fischer waren Thomas Sepp aus Eberfing und Richard Zahler aus Krün. Sie erhielten von Markus Söder gestern neben 34 weiteren Bayern die Christophorus-Medaille.

Eine der jüngsten ausgezeichneten Lebensretter Bayerns ist Franziska Hufnagel aus Fürstenfeldbruck. Die damals Zwölfjährige war im Januar 2020 mit einer Freundin in der Amperoase in Fürstenfeldbruck schwimmen. Als sie tauchte, sah sie auf dem Boden des Beckens ein elfjähriges Mädchen. Sie zog sie an die Oberfläche, das Mädchen war bereits bewusstlos und blau angelaufen, berichtet sie. Franziska verfolgte, wie der Notarzt sie wiederbelebte. „Ich hatte kaum Zeit zum Nachdenken, das ging alles sehr schnell“, sagt sie jetzt, als sie die Auszeichnung in der Hand hält. Heldin will sie sich nicht nennen. „Aber stolz bin ich natürlich, dass ich das Mädchen retten konnte.“

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