1. hallo-muenchen-de
  2. Bayern

Diagnose Blutkrebs: Bayer kämpft sich zurück ins Leben -„Die Zugspitze ist mein Endgegner“

Erstellt:

Von: Cornelia Schramm

Kommentare

Langsam kehrt die Kraft zurück: Nach seiner Stammzellentransplantation kann Benjamin Krug (45) seit Kurzem wieder Joggen. Jetzt hat er ein neues Ziel.
Langsam kehrt die Kraft zurück: Nach seiner Stammzellentransplantation kann Benjamin Krug (45) seit Kurzem wieder Joggen. Jetzt hat er ein neues Ziel. © Privat

Im Sommer 2020 erhält Benjamin Krug die Diagnose Blutkrebs - nur eine Stammzellspende kann ihn retten. Er hat Glück: Sein genetischer Zwilling ist in der DKMS-Datei registriert. Jetzt hat Krug nur ein Ziel.

Garmisch-Partenkirchen – Dem Himmel ist man nirgendwo in Deutschland so nah wie auf diesem Gipfel, sagt Benjamin Krug aus Schweinfurt. Der 45-Jährige will am Dienstag, 12. Juli, die Zugspitze besteigen, obwohl er gegen Leukämie kämpft und erst vor Kurzem eine Stammzellspende erhalten hat. Es ist seine Art, sich zu bedanken, seinen toten Weggefährten zu gedenken – und die Werbetrommel zu rühren.

Sie sind 45, sagen aber, dass Sie bald Ihren 2. Geburtstag feiern. Wieso?

Meinen 2. Geburtstag feiere ich am 1. Dezember. Da ist es zwei Jahre her, dass ich eine Stammzellspende erhalten habe, weil ich Blutkrebs hatte. Da der Körper durch die Stammzellentherapie genetisch auf null gesetzt wird, ist das Immunsystem extrem anfällig. Zwei Jahren nach der Transplantation ist das Risiko sehr hoch, trotz allem zu sterben. Die Stammzellen könnten abgestoßen werden und die Leukämie zurückkommen. Nach dem 2. Geburtstag sinkt dieses Risiko – daher ist er Betroffenen so wichtig.

Mann will Zugspitze besteigen - obwohl er gegen Leukämie kämpft

Wann haben Sie die Diagnose bekommen?

Im September 2020. Davor war ich sehr sportlich und bin jeden Tag um vier Uhr morgens aufgestanden, um Joggen, Radfahren oder Schwimmen zu gehen. Schlagartig fehlte mir dafür aber die Energie. Die Schmerzen ertrug ich nicht mal mehr mit Tabletten. Wegen der Pandemie war es schwer, Arzttermine zu bekommen. Erst wollte mir auch niemand glauben, dass etwas nicht stimmte. Über Nacht hatte ich dann plötzlich offene Wunden auf der Stirn und tiefe Löcher im Zahnfleisch. Ich ging zum Arzt und sagte: Ich sterbe, helft mir endlich!

Wie ging es dann weiter?

Nach Blutentnahme bekam ich nur zwei Stunden später die Diagnose. Am selben Tag begann im Klinikum Würzburg die Chemotherapie. Ganzkörperbestrahlung, Hochdosis-Chemo und Antikörperbehandlungen – trotz alledem hatte ich nur eine Überlebenschance von 20 Prozent. Eines war klar: Findet sich kein Stammzellspender, werde ich sterben. Ich habe Tag für Tag gekämpft.

Spendenaktion: Auf die Zugspitze für den guten Zweck

Und Sie hatten Glück...

Die Chance, quasi seinen genetischen Zwilling zu finden, ist gering. In der Deutschen Knochenmarkspende-Datei (DKMS) sind noch immer zu wenig Menschen registriert. Das will ich ändern: Jeder neue Spender kann ein Leben retten. Um darauf aufmerksam zu machen und Spenden für die José Carreras Leukämie-Stiftung und Blutkrebsforschung zu sammeln, will ich die Zugspitze besteigen.

Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.

Warum die Zugspitze?

Es gibt mehrere Gründe. Zum einen steht sie für Freiheit. Seit ich drei Monate nach der Transplantation aus der Klinik entlassen wurde, bin ich zuhause in Quarantäne. Es ist zu gefährlich, sich unterwegs mit Corona anzustecken. Außerdem bin ich dem Himmel doch nirgendwo so nah wie dort. Während der Therapie habe ich Menschen kennen gelernt, die den Blutkrebs nicht überlebt haben. Oben will ich mich für mein Glück bedanken und an sie denken. Mein T-Shirt ist mit ihren Namen bedruckt und die Schlagzeug-Stöcke und das Armband zweier lieber, leider verstorbener Freunde trage ich im Rucksack bei mir.

Wie läuft die Tour ab?

Vier Freunde begleiten mich. Wir starten um fünf Uhr morgens und steigen über das Reintal auf. Meine Bestzeit lag 2013 bei 3:25 Stunden. Dieses Mal peile ich zehn Stunden an. Der Aufstieg von 2300 Höhenmetern wird ein Kampf – auch mental, weil bestimmt viel in mir hochkommt. Die Zugspitze ist also mein bester Freund, aber auch mein größter Feind. Ein Endgegner – wie der Krebs.

Was sagen Ihre Ärzte?

Ganz ehrlich: Körperlich bin ich dazu eigentlich noch gar nicht in der Lage. Ich jogge erst seit Kurzem wieder und habe davor nur mit Heimtrainer trainiert. Der Arzt, der mich die ganze Zeit intensiv begleitet hat, hält mich für bekloppt. Aber gleichzeitig kennt er mich auch: Mein Kopf will das jetzt einfach – für den guten Zweck.

Benjamin Krug sammelt Spenden für die José Carreras Leukämie-Stiftung

„Benjamin Zugspitze“ lautet das Kennwort für das Spendenkonto der José Carreras Leukämie-Stiftung.

IBAN: DE96 7008 0000 0319 9666 01 BIC: DRESDEFF700 oder www.spenden.carreras-stiftung.de

Das Interview führte Cornelia Schramm.

Auch interessant

Kommentare