Zugbegleiter ließ nicht locker

Keine Weiterfahrt wegen Coronavirus? Rosenheimerin spricht über bange Stunden nach Italien-Urlaub 

Infizierte an Bord? Dieser Eurocity ist mit mehrstündiger Verspätung in München eingetroffen.
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Infizierte an Bord? Dieser Eurocity ist mit mehrstündiger Verspätung in München eingetroffen. (Archivbild)

In Italien wurde ein Zug gestoppt, weil zwei Frauen unter Coronavirus-Verdacht gerieten. Nun spricht eine der beiden über die anschließenden tränenreichen Stunden.

  • Ein Zug hielt wegen zwei Coronavirus*-Verdachtsfällen stundenlang im italienische Verona.
  • Zwei Frauen wurden im Krankenhaus der Stadt getestet.
  • Erst nach der Heimkehr bekamen sie Gewissheit.

Rosenheim - Eine der beiden Frauen, die am vergangenen Wochenende (22. und 23.2.) unfreiwillig den Zugverkehr zwischen Österreich und Italien für Stunden unterbrochen hatten, ist aus dem Landkreis Rosenheim. Die Urlauberinnen waren auf der Fahrt von Venedig nach München unter Coronavirus-Verdacht geraten.

Mit unserer Zeitung sprach die 19-Jährige über die bangen Stunden. Die junge Frau - sie möchte anonym bleiben - berichtet, wie es dazu kam, dass sie und ihre Freundin in Verona stundenlang festgehalten wurden. Mit ihrer Freundin hatte sie das Wochenende in Venedig verbracht. „Wir sind zu lang am Lido geblieben und haben uns verkühlt“, erzählt sie. Es folgten leicht erhöhte Temperatur und Husten bei beiden. 

Verdacht auf Coronavirus im Zug: Reisende fotografieren durch die Fenster

Auf der Heimfahrt im Eurocity bemerkte der Zugbegleiter den Zustand der Frauen, „er hat nachgefragt und nicht lockergelassen“. Die beiden wurden in ein Extra-Abteil geleitet und angewiesen, sich nicht von der Stelle zu rühren. Als der Zug hielt, starrten andere Reisende von draußen herein, manche fotografierten durchs Fenster. „Das war echt nicht schön“, sagt sie. Der Zug stand in Verona - und blieb erst mal stehen. Nach einer geschätzten Stunde kamen Sanitäter. Es stellte sich heraus, dass sie ihr Fieberthermometer vergessen hatten. „Die haben dann den Blutdruck gemessen und sich mit uns unterhalten“, sagt die junge Frau, „draußen standen derweil 20 Polizisten.“

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Zwar hatten die Frauen keine der italienischen Risikozonen betreten, doch es half nichts. Sie wurden ins Krankenhaus von Verona transportiert, mussten dort warten, mit 100 weiteren Verdachtsfällen. „Alle saßen rum, das hat niemanden so richtig interessiert“, sagt sie. Man nahm ihnen Blut ab, röntgte sie. Die Ungewissheit setzte den Frauen langsam zu, sie weinten. „Wir wollten wissen, was wird, und die haben uns nur befohlen, die Klappe zu halten.“

Coronavirus in Bayern: Italien-Urlauberin im Zug aufgehalten - Testergebnis liegt vor

Eine Ärztin kümmerte sich schließlich um die Besucher. Irgendwann durften die Eltern die Frauen abholen - ohne Testergebnis. Die Eltern sind extra nach Italien gefahren. Um 5 Uhr morgens waren sie wieder zu Hause. Das Untersuchungsergebnis ist mittlerweile auch da: kein COVID-19, alles gut.

In Italien steigt die Zahl der Todesopfer weiter an - mittlerweile haben sich mehr als 600 Menschen infiziert. Auch Österreich wurde von dem Virus heimgesucht, es gibt einen Verdachtsfall in der Regierung. Die Zahl der Infizierten in Deutschland schnellt derweil ebenfalls nach oben.

Hat das Coronavirus Auswirkungen auf die Kommunalwahl in Bayern? Eine Ministeriums-Sprecherin äußerte sich nun dazu.

*merkur.de ist Teil eines bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

M. Weiser

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