1. hallo-muenchen-de
  2. Bayern

Deutscher Alpenverein verkündet so historisches Tief an Todesfällen am Berg - Klettersteig als neue Gefahrenquelle

Erstellt:

Von: Cornelia Schramm

Kommentare

Im Klettersteig müssen Sportler schwindelfrei und fit sein. Der DAV rät Anfängern, vorab zu trainieren. Archiv
Im Klettersteig müssen Sportler schwindelfrei und fit sein. Der DAV rät Anfängern, vorab zu trainieren. Archiv © Archiv

So wenig Tote wie nie, meldet der Deutsche Alpenverein für das Corona-Jahr 2020. Die meisten Bergsportler verunglückten beim Wandern. Es gibt aber auch neue Sorgen-Disziplinen. Anfängern rät der DAV da unbedingt zur Vorsicht – und einer gesunden Selbsteinschätzung.

München – Der Trend zum Gipfelsturm ist ungebrochen. Und überhaupt, durch die Pandemie haben sich noch mehr Menschen in die Berge verliebt – nicht nur um Ruhe zu finden, sondern auch um sich neuen, sportlichen Herausforderungen zu stellen. So hat auch der Deutsche Alpenverein, als Naturschutzverband und größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt, immer mehr Mitglieder. Fast 1,4 Millionen sind es inzwischen. Geraten sie im Gebirge in Not, übernimmt der DAV die Bergungskosten. Lukas Fritz wertet als Sicherheitsforscher alle Fälle penibel aus – und zog nun sein Fazit zum Corona-Jahr 2020.

„Der Ansturm auf die Berge war voriges Jahr groß – und die Sorge, dass vor allem Unerfahrene unterwegs sein könnten, auch“, sagt Fritz. „Daher mahnte der DAV, nicht an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit zu gehen, um sich selbst und die Rettungskräfte nicht unnötig in Gefahr zu bringen.“ Ob auf der Skipiste, an der Kletterwand oder auf dem Wanderweg, der Rat trug offenbar Früchte: In den Lockdown-Monaten März, April und Mai verzeichnete der DAV deutlich weniger Unfälle als in den Jahren zuvor – und das spiegeln auch die Einsatzzahlen der Bergwacht wieder (wir berichteten). „Es waren einfach weniger Menschen unterwegs“, sagt Fritz. Dabei hätten auch geschlossene Grenzen und der schneearme Winter eine Rolle gespielt.

2020: Corona-Lockdown reduziert Anzahl der Bergsport-Unfälle

Während 2019 mit 56 Menschen überdurchschnittlich viele DAV-Mitglieder beim Bergsport starben, waren es vergangenes Jahr mit 28 so wenige wie nie seit Beginn der Statistik im Jahr 1952. An den insgesamt 920 Unfällen im DAV-Bergsportjahr 2020 waren 1145 Mitglieder beteiligt. 734 wurden verletzt. Mit 377 und 247 Unfällen passierte beim Wandern und Bergsteigen sowie auf der Skipiste am meisten. Bei ersterem verunglückten insgesamt 17 DAV-Mitglieder tödlich.

Genauer beobachten will Fritz künftig zwei andere Disziplinen: Mountainbike und Klettersteig. „Mit 65 Unfällen gab es beim Mountainbiken erstmals mehr als beim Skitourengehen.“ Ein Mountainbiker verunglückte tödlich. Die meisten Unfälle waren Stürze bei der Abfahrt oder in Bike-Parks. „Sie passieren ohne Fremdeinwirkung, also kann der DAV einen Krieg zwischen Wanderern und Mountainbikern nicht bestätigen“, sagt er. „Zudem nimmt der E-Bike-Anteil zu, wodurch eine ganz andere Population unterwegs ist.“ Die will der DAV schulen, schließlich handle es sich bei E-Bike-Fahrern nicht um erfahrene Mountainbiker.

DAV: Klettersteig und Mountainbike-Trails als neue Unfall-Brennpunkte

Die Klettersteig-Unfallzahlen waren bis 2019 eher rückläufig. Vergangenes Jahr stiegen sie aber und drei Menschen kamen ums Leben. Nur ein Viertel der DAV-Klettersteiggeher musste wegen eines Sturzes gerettet werden – der Großteil „blockiert“, wie Fritz sagt. „Die Leute können weder vor noch zurück und sind verzweifelt.“ Sie sind völlig platt oder haben sich selbst überschätzt. „Erschreckend ist, dass es 2020 häufig Kinder waren, die überfordert auf schwierigen Klettersteigen angetroffen wurden.“

Prinzipiell gilt: Wer am Berg neue Herausforderungen sucht, sollte sich gut vorbereiten. „Wir raten Klettersteig-Anfängern, vorab zu trainieren, die Tour umsichtig zu planen und vor allem nicht mit der schwersten zu starten“, so Fritz. Mangelnde Selbsteinschätzung drücke die Unfallzahlen schließlich immer wieder nach oben.

Auch interessant

Kommentare