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Bayerische Arztpraxen am Limit: Omikron, Tests, Impfungen und zu wenig Personal bringen Teams an ihre Grenzen

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Von: Theresa Kuchler

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Wenn das Telefon nicht mehr still steht: Hausarztpraxen in Bayern arbeiten seit nunmehr als zwei Jahren am Anschlag. Omikron, das Test- und Impfangebot sowie der Personalmangel stellt die Praxen vor Herausforderungen.
Wenn das Telefon nicht mehr still steht: Hausarztpraxen in Bayern arbeiten seit nunmehr als zwei Jahren am Anschlag. Omikron, das Test- und Impfangebot sowie der Personalmangel stellt die Praxen vor Herausforderungen. © Epd

Tests, Impfungen und die besonders hohen Infektionszahlen bringen Hausarztpraxen in Bayern an ihre Grenzen. Jetzt müssen auch noch viele Mitarbeiter in Quarantäne – was die Lage zusätzlich verschärft.

München – Momentan steht das Telefon in der Gemeinschaftspraxis Neckel Mehl und Mehl in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) kaum noch still. „Wir haben gerade sehr viele Anfragen“, sagt Verena Staffler, Medizinische Fachangestellte in der Arztpraxis. Sie nimmt einen Anruf nach dem anderen entgegen und ist merklich gestresst. Viele der Anrufer sind Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Hilfesuchend wenden sie sich an ihre Hausärzte, mit Fragen zur Behandlung der Erkrankung und zum richtigen Verhalten in der Quarantäne. Verena Staffler stellt sie direkt an die Mediziner durch. „Unsere Ärzte beraten die Patienten telefonisch“, erklärt sie. „Wir schauen immer, dass wir den Leuten mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Insgesamt ist das Penzberger Praxisteam an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. „Es ist alles deutlich überlastet“, sagt Staffler. Durch Omikron hat sich die Situation noch einmal verschärft. „Wir merken, dass viel mehr los ist.“ Ein weiteres Problem: der dünn besetzte Personalplan. „Man findet einfach niemanden, der diesen Job gerade machen will.“

Ein großes Problem: der Personalmangel - „Man findet niemanden, der diesen Job gerade machen will“

Den Personalmangel kann Jakob Berger vom Bayerischen Hausärzteverband bestätigen. „Gerade in den Großstädten ist es kaum noch möglich, bezahlbare Medizinische Fachangestellte zu finden. Viele Praxen müssen deshalb sogar zusperren“, sagt er. Ein Grund: Die Belastung in dem Beruf sei sehr hoch, die entgegengebrachte Anerkennung hingegen gering. So bleiben viele Ausbildungsplätze frei und offene Stellen unbesetzt.

Dass nun noch regelmäßig Praxismitarbeiter in Quarantäne müssen und ausfallen, macht die Situation freilich nicht besser. In Penzberg befindet sich momentan eine der acht Penzberger Mitarbeiterinnen in häuslicher Isolation, wie Staffler erzählt. Auch Berger kennt viele Helferinnen und Ärzte, die in Quarantäne sind. „Das legt eine Praxis natürlich zusätzlich lahm“, betont er.

Ärzte und Helfer müssen in Quarantäne, was die Praxen zusätzlich lahmlegt

Trotz der ausgereizten Kapazitäten führen die Penzberger Ärzte nach wie vor Impfungen gegen das Coronavirus durch. „Wir bieten Booster-, Erst- und Zweitimpfungen an“, erklärt Verena Staffler. Auch Kinder werden dort immunisiert. Impfungen bedeuten einen erheblichen Aufwand für die Arztpraxen. Aber auch die starke Nachfrage nach PCR-Tests lähmt vielerorts das Tagesgeschäft. So beklagt etwa Markus von Rebay die zusätzliche Arbeit, die die Abstrichentnahme für ihn und sein Praxisteam in Gilching (Kreis Starnberg) bedeutet. Eigentlich sei für die Corona-Tests gar keine Zeit übrig, meint er. Doch die Nachfrage ist schlichtweg zu groß. „Jetzt machen wir das eben auch noch – hilft ja nichts“, sagt von Rebay.

Logistische und organisatorische Herausforderungen durch Test- und Impfangebote

Jakob Berger weiß, welcher logistische und organisatorische Mehraufwand hinter den Impf- und Testangeboten in Hausarztpraxen steckt. Hinzu kommen die vielen Überstunden, die Ärzte und Helfer derzeit machen müssen – unter der Woche und bei Impfaktionen am Wochenende. Viele Praxen haben außerdem ihr Angebot erweitert: um spezielle Infektionssprechstunden für symptomatische Patienten. „Das alles ist eine große Herausforderung“, sagt Berger. Aber der Arzt schlägt auch optimistische Töne an: „Ich bin guten Mutes, dass sich die Lage in den kommenden Monaten bessert.“ Er hofft es zumindest – damit die Teams in den Arztpraxen endlich wieder durchatmen können.

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