Fahrbericht

Volvo XC40 Hybrid: Die doppelte Premiere

Der Kompakt-SUV kommt in zwei Hybrid-Varianten auf den Markt. Rein elektrisch kommt der Volvo gut 40 Kilometer weit.

  • Nach der Corona*-Vollbremsung kommt die Autobranche langsam wieder in Fahrt.
  • Volvo* zeigt sich optimistisch und will an das Rekordjahr 2019 anknüpfen.
  • Der neue XC40 nimmt dabei eine bedeutende Rolle ein.

Volvo gewinnt an Zuversicht. Das zweite Halbjahr will der Premiumhersteller sogar noch auf einem ähnlich guten Level abschließen wie 2019, das mit dem sechsten Rekordjahr in Folge mit weltweit mehr als 700.000 verkauften Fahrzeuge endete. Und das, obwohl der Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 14 Prozent zurück ging. 

Der Optimismus liegt zu großen Teilen an den drei erfolgreichsten Modellen XC60, XC40 und XC90 – und freilich immer mehr auf dem Elektromarkt. Jede neue Modellreihe des schwedischen Unternehmens, das zum chinesischen Autokonzern Geely gehört, enthält bereits einen Hybrid- oder reinen Elektroantrieb. Im ersten Halbjahr 2020 machten die Hybrid-Autos bei Volvo 14 Prozent des Umsatz aus. In fünf Jahren sollen es über 50 Prozent sein. 

Volvo XC40 Recharge im Test

Und dabei nimmt der XC40 eine bedeutende Rolle ein. Der kompakte SUV ist das erste reine Elektroauto der Schweden und wird zudem auch als Plug-in-Hybrid angeboten. Äußerlich unterscheidet er sich kaum von der „normalen“ Version. Es gibt einen Schriftzug „Recharge“, am Radlauf der Fahrerseite befindet sich der E-Ladeanschluss. Hinten rechts gibt es weiterhin den konventionellen Tankdeckel für Benzin.

Die Hybrid-Modelle unterscheiden sich optisch kaum von den Modellen mit „konventionellem“ Antrieb

Der XC40 Recharge ist in zweifacher Hinsicht eine Premiere: Er ist das erste Plug-in-Hybridmodell von Volvo auf Basis der CMA-Plattform und der erste Steckdosen-Hybrid der Marke, bei dem ein Dreizylinder-Turbobenziner die Rolle des Verbrenners übernimmt. Der Antriebsstrang wurde komplett neu entwickelt. Der Hybrid-SUV ist in zwei Leistungsstufen erhältlich: als T5 mit einer Systemleistung von 262 PS (48.739,50 Euro) sowie als T4 mit insgesamt 211 PS (ab 47.667 Euro). Beide Modelle besitzen einen 82 PS starken Elektromotor sowie einen Dreizylinder-Benziner mit 1,5 Liter Hubraum. Während der Verbrenner im T4 auf 129 PS kommt, leistet im T5 der Benziner 180 PS. 

Beide Versionen erfüllen die Abgasnorm Euro 6d. Und beide Hybride schaffen laut Volvo eine rein elektrische Reichweite von rund 50 Kilometern. Wir haben den T5 getestet und kamen rein elektrisch rund 45 Kilometer weit. Das Gute: Typisch Hybrid, fährt man im Alltag generell oftmals für kurze Zeit rein elektrisch – auch bei nahezu leerem Akku. Denn die Lithium-Ionen-Batterie lädt sich während der Fahrt beim Bremsen oder Rollen stets etwas auf. So erfolgt auch der Start in der Regel rein elektrisch – man rollt somit immer lautlos los. Beide Triebwerke arbeiten als Parallel-Hybrid und können den XC40 somit getrennt voneinander oder gemeinsam antreiben. Der automatische Wechsel im Modus „Hybrid“ zwischen Batterie und Benziner erfolgt nahezu unbemerkt, da auch der Verbrenner leise und laufruhig agiert. Erst beim kräftigen Beschleunigen klingt er etwas rau. Der Anzug aus dem Start ist E-typisch agil und direkt, auch danach bietet der T5 genügend Kraft für jede Situation. Der Benzin-Verbrauch kann im Mix mit dem Elektroantrieb freilich stark variieren, je nachdem, wie oft man den 10,7-kWh-Akku an der Steckdose oder Wallbox auflädt und rein elektrisch fährt. Beim Aufladen an der Steckdose ist jedoch zu beachten: Mit einem Verlängerungskabel hat der Ladevorgang in unserem Test nicht funktioniert. Ist der Akku nahezu leer und wird der T5 fast durchweg vom Benziner (Tankvolumen 48 Liter) angetrieben, kamen wir auf einen Spritverbrauch von 7,1 Liter. Wie alle neuen Volvo-Modelle ist auch die Spitzengeschwindigkeit des XC40 Recharge auf 180 km/h begrenzt.

Fakten zum Volvo XC40 Recharge T5

Motor und GetriebePlug-in-Hybrid: Dreizylinder-Turbomotor mit Benzin-Direkteinspritzung, Hubraum 1477 ccm, 180 PS, plus Elektromotor mit 82 PS, max. Drehmoment 425 Nm (265 Nm + 160 Nm), Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Vorderradantrieb
Fahrleistungen0 auf 100 km/h in 7,3 Sek, Spitze 180 km/h (125 km/h rein elektrisch)
Kraftstoff- und StromverbrauchKombiniert: 2,2 l/100 km Testverbrauch: 7,1 l/100 km (Benzin) CO2-Emission 43 g/km Stromverbrauch: 16,3 kWh/100 km
Reichweite elektrisch45-50 km
Maße und GewichteLänge/Breite/Höhe 4425/1863/1652 mm, Leergewicht 1812 kg. Zuladung 478 kg, Kofferraumvolumen 460 bis 1336 Liter
Preis48.739,50 Euro

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Kein Allrad für Hybrid-Modelle

Kleiner Gimmick: Serienmäßig mitgeliefert wird der neue Schlüssel „Care Key“, mit dem eine individuelle Höchstgeschwindigkeit programmiert werden kann - etwa, bevor man das Fahrzeug an Familienmitglieder und Fahranfänger verleiht. Die Kraftübertragung des Fünftürers übernimmt ein gewohnt flüssig arbeitendes ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Beide Versionen, T4 und T5, gibt es nur als Fronttriebler. Allradantrieb bietet nur der vollelektrische XC40 P8 AWD, der allerdings schon in der Grundausstattung stolze 60.436 Euro kostet.

Der Innenraum versprüht den typischen Volvo-Charme, ein Mix aus hochwertigem Komfort mit guter Übersicht und wenig Schnickschnack. Auf dem 12,3 Zoll großen digitalen Cockpit werden unter anderem Akkustand und Spritmenge angezeigt. Ebenso, welcher Antrieb gerade aktiv ist und wenn die Batterie durch Rekuperation wieder aufgeladen wird. Natürlich sind neben dem Neun-Zoll-Touchscreen weitere zahlreiche technische Hilfsmittel mit an Bord. Die Federung ist komfortabel, dennoch verliert der 4,43 Meter lange Kompakt-SUV nicht seine Handlichkeit und zieht wendig durch Kurven. Die Straßenlage ist gewohnt satt und sicher, dazu trägt auch die mittig unter dem Fahrzeugboden angebrachte Batterie bei. Die Rücksitzlehnen lassen sich 60:40 oder komplett umklappen. Dabei wächst das Ladevolumen im Gepäckabteil von 460 Litern auf bis zu 1336 Liter bei dachhoher Beladung – die gleichen Werte wie bei den konventionellen Antriebsvarianten.

Der Innenraum ist Volvo-typisch: hochwertiger Komfort und wenig Schnickschnack.

Volvo XC40 Recharge: Fazit

Wer täglich maximal 40 Kilometer zwischen Arbeit und zu Hause zurücklegt, kann mit dem Volvo XC40 Recharge rein elektrisch fahren – sofern stets eine Auflademöglichkeit zur Verfügung steht und man das gewisse Kleingeld für dieses Premium-Modell besitzt. Denn mit einigen Extras aus der Sonderausstattungs-Liste kommt man schnell Richtung 60.000 Euro. Dafür bekommt man aber ein Auto mit sehr hohem Fahrkomfort. (joi) *Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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Rubriklistenbild: © Volvo

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