Öfter mal was Neues

Autohersteller wagen sich in neue Segmente

VW-Studie W12 Roadster
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Wundervolle Flunderware aus Bella Italia? Eindeutig jein. Zwar rollte Ende der 1990er die VW-Studie W12 Roadster aus Wolfsburg in die Messehallen, doch gezeichnet hatte sie der italienische Stardesigner Giorgetto Giugiaro. Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn
Renault Vel Satis
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Hautevolee sagt «Nee»: So richtig zündete Renaults Abstecher in die Oberklasse mit dem Vel Satis (2002 bis 2009) nicht. Foto: Renault/dpa-tmn
Mini-Studie Urbanaut
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Maxi oder Mini? Die Studie Urbanaut der BMW-Tochter Mini zeigt einen Entwurf für ein vanartiges Stadtauto. Foto: BMW Group/dpa-tmn
W12 von VW
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Zu schön um wahr zu werden? In Serie gegangen ist der W12 von VW nie, aber es gab ja auch viel konzerninterne Konkurrenz wie zum Beispiel von Bugatti, Lamborghini und Audi. Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn
Audi-Studie Urban Concept
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Was meinen Sie? Schaut diese futuristische zweisitzige Audi-Studie (Urban Concept) von 2011 mit ihren Kotflügeln nicht auch ein wenig nostalgisch aus?. Foto: Audi AG/dpa-tmn
Porsche-Studie Vision Renndienst und VW-Bulli
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Bulli als Buddy: Optisch orientiert sich die Porsche-Studie Vision Renndienst (l) am historischen VW-Bulli (r) aus der Rennabteilung, will jedoch bis zu sechs Personen Platz bieten. Foto: Porsche AG/dpa-tmn
Micro Compact Car
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«Das sieht doch aus wie ein...» Genau, aus der Mercedes-Studie Micro Compact Car wurde später der Smart. Foto: Daimler AG/dpa-tmn

Ein neuer Sportwagen von Porsche? Ein Stadtflitzer von Fiat und ein Offroader von Jeep? Klar, vorhersehbar. Doch immer wieder versuchen die Hersteller etwas Neues und überraschen mit Unerwartetem.

Stuttgart (dpa/tmn) - Le-Mans-Rennwagen mit Straßenzulassung, radikale Roadster und ein 911 im Safari-Trimm. Als die Porsche-Designer vor kurzem ihre Asservatenkammer öffneten und einige bis dahin geheime Studien aus den letzten Jahren ans Licht holten, war die Begeisterung groß.

Klar: Sportwagen-Konzepte von einem Sportenwagenhersteller - das ist erwartbar. Bis Designchef Michael Mauer plötzlich, knallrot und für einen Porsche viel zu hoch, doch noch eine Überraschung aus dem Hut zuberte: Den Renndienst-Porsche als erste Großraumlimousine aus Zuffenhausen.

Wenige Tage später präsentierte auch Mini den Entwurf eines für sie eigentlich untypischen Auto: die Studie eines Vans namens Vision Urbanaut. Als Tiny House auf Rädern soll er in der Stadt auch dann Spaß machen, wenn an Fahren nicht zu denken ist, erläutert Markenchef Bernd Körber.

Die beiden Studien zeigen nicht nur, dass die Autoindustrie offenbar händeringend auf der Suche nach einer Alternative oder zumindest einer Ergänzung zum SUV ist. Da werden mal wieder neue oder zumindest andere Wege ausprobiert, um Kunden mehr Raum und mehr Variabilität zu bieten, sagt Design-Professor Lutz Fügener von der Hochschule Pforzheim.

Vor allem seien solche Studien aber wichtige Ventile für die Kreativität im Unternehmen: «Viel zu oft scheitern Designer und Entwickler in den Unternehmen wie die Kuh vorm neuen Tor an den selbstgesetzten Marketingschranken», klagt Fügener und schreibt diesen vermeintlich abwegigen Konzepten die Kraft zu, solche Schranken auch mal niederzureißen.

Ein Blick in den Rückspiegel

Dazu ist es in den letzten Jahrzehnten immer wieder mal gekommen: So hätte zum Beispiel niemand VW einen Supersportwagen auf Ferrari-Niveau zugetraut, bis die Firma Ende der 1990er plötzlich ihre W12-Studien auf die Motorshows stellte. Genauso wenig übrigens wie eine Oberklasse-Limousine, die mit dem 1999 als Concept D angekündigt und dann ab 2002 als Phaeton gebaut wurde.

Nicht minder überraschend: ein minimalistisches Stadtauto für die damals ausschließlich auf große Limousinen abonnierte Luxusmarke Mercedes. Das nahm 1994 das Micro Compact Car den Smart vorweg. Genauso wenig wie man Renault in den Nullerjahren zu Zeiten des VelSatis die Eignung für die Oberklasse zugeschrieben hätte, konnte man sich bei Peugeot Hardcore-Geländewagen wie den Hoggar oder bei Audi Stadtmobile wie das Urban Concept vorstellen.

Längst nicht alles geht in Serie

Es sei grandios, sagt Fügener, wenn Hersteller sich trauen, vermeintlich sicheres Terrain zu verlassen und einen Sprung in die Zukunft zu wagen. «Anders wäre eine DS von Citroën nie entstanden. Und übrigens auch kein iPhone.»

Und selbst wenn solche Autos nicht in Serie gehen, haben sie einen wichtigen Einfluss auf aktuelle Projekte, sagt Porsche-Designchef Mauer: Im Großen, weil sie dabei helfen, Möglichkeitsräume zu erkunden, gewohnte Denkmuster und Konventionen infrage zu stellen und das Rad immer wieder neu zu erfinden. Und im kleinen, weil sie immer wieder Inspirationen für Design-Details liefern. Nicht umsonst gibt es unverkennbare Ähnlichkeiten zwischen den Renndienst-Scheinwerfern und dem Lichtbild des elektrischen Taycan.

Ein Porsche als Geländewagen - kaum vorstellbar?

Mini-Designchef Oliver Heimer pflichtet seinem Kollegen bei: So soll der Urbanaut der Marke eben nicht nur den Weg in ein neues Segment weisen, sondern die Mini-Kundschaft innen wie außen auch auf eine neue Designsprache einstimmen, die bereits in zwei, drei Jahren zu sehen sein werde. Dann allerdings erst einmal an einem eher konventionellen Konzept: dem nächsten Dreitürer.

Als bei Porsche vor über 20 Jahren zum ersten Mal über einen Geländewagen gesprochen wurde, war die Irritation ähnlich groß wie beim Renndienst-Van. Doch mittlerweile gibt es bereits drei Generationen Cayenne sowie den kleinen Bruder Macan - und Porsche baut längst mehr SUV als Sportwagen. Deshalb sollte man vielleicht auch die neuen Van-Studien nicht gleich wieder vergessen oder zurück in die Asservatenkammer schieben.

© dpa-infocom, dpa:201130-99-520424/2

Rubriklistenbild: © Stefan Bogner

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