BA schlägt Alarm: Pegida-Treffen in Lokal an der Implerstraße

„Braunes Bier“ in Sendling

+
Im „Casa Mia“ an der Implerstraße sollen sich regelmäßig Pegida-Vertreter treffen. In Sendling regt sich Widerstand.

„Nationalsozialismus raus aus den Köpfen!“, „Nazis verpisst euch!“ – das prangte in großen Lettern an der Wand des italienischen Restaurants „Casa Mia“ an der Implerstraße 47 in Sendling.

Mittlerweile ist die Fassade wieder sauber, die Sätze wurden übermalt. Doch die Sorge der Sendlinger Bezirks- ausschuss-Politiker (BA), dass rechtes Gedankengut ins Viertel einzieht, bleibt: Die BA-Mitglieder haben erfahren, dass sich in dem Lokal jeden Montagabend Vertreter des rechtspopulistischen Bündnisses Pegida treffen sollen. Das bestätigt Marcus Buschmüller, Leiter der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus in München (firm), auf Hallo-Anfrage: „Wir haben uns an mehreren Montagabenden vor Ort davon überzeugt, dass diese Information richtig ist.“ Ernst Dill (SPD), Beauftragter gegen Rechtsextremismus im BA, schlägt Alarm: „Wir wollen kein braunes Bier in Sendling!“ In einem Brief appelliert der BA-Vorsitzende Markus Lutz (SPD) an den Wirt, diesem Personenkreis den Zutritt zum „Casa Mia“ zu verwehren. „Sie sind nicht verpflichtet, an diese Leute zu vermieten, für sie zu reservieren oder sie zu bewirten“, schreibt Lutz an den Gastronom. Unterstützung erhält der Wirt von den ungebetenen Gästen selbst. Auf ihrer Seite schreibt Pegida Bayern: „Geht bitte bald mal in das Restaurant Casa Mia mit euren Familien und Freunden, wenn ihr einen Wirt braucht, und überlegt euch dabei, wie wir dem Wirt noch helfen können! Der Wirt wird seit Januar unseretwegen systematisch genötigt und geschädigt. Haupttäter ist die SPD Sendling.“ Der Wirt wollte sich auf Hallo-Anfrage nicht äußern. Doch möglicherweise unternimmt er jetzt etwas: „Die Brauerei hat der Fachstelle für Rechtsextremismus wohl mitgeteilt, dass die Pegida-Mitglieder im Casa Mia nicht mehr bewirtet werden sollen. Wir werden das weiter verfolgen“, sagt Lutz, der hofft, dass der Spuk im „Casa Mia“ bald ein Ende hat. „Das Restaurant ist in Sendling sehr beliebt. Aber unter diesen Umständen kann man es nicht mehr weiterempfehlen.“ Immer wieder werden Münchner Gaststätten zu Treffpunkten von Mitgliedern rechter Gruppierungen – jüngst der „Goldene Hirsch“ in Neuhausen, der „Gasthof zur Post“ in Pasing und das „Goldene Ross“ in Ramersdorf (Hallo berichtete). Neben dem Sendlinger Lokal ist der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus laut Buschmüller aktuell noch eine Gaststätte in Trudering bekannt, in der in der letzten Zeit mehrere Veranstaltungen der extrem rechten „Identitären Bewegung“, dem „Bündnis Deutscher Patrioten“ und der „Alternative für Deutschland“ (AfD) stattgefunden hätten. Im Interview (s. unten) erklärt Buschmüller, wie die Fachinformationsstelle arbeitet, und spricht von einem Rechtsruck in der Gesellschaft.Daniela Schmitt

Extremismus-Experte: „Es gibt einen Rechtsruck“

Marcus Buschmüller, Leiter der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus in München (firm), im Interview:

Herr Buschmüller, woher bezieht die firm ihre Informationen, um braune Aktivitäten in München aufzudecken? „Wir sind viel unterwegs. Im Internet, in den sozialen Netzwerken, aber auch in der Stadt, in den Stadtteilen. Und wir sind gut vernetzt, zum Beispiel im kommunalen Fachnetzwerk gegen Rechtsextremismus, haben viele Kontakte zu politisch aktiven Menschen und Gruppen. So kommen immer eine Menge Hinweise und Informationen zusammen.“

Wie geht firm gegen derlei Aktivitäten vor? „Als Teil des städtischen Netzwerkes gegen Rechtsextremismus tauschen wir uns regelmäßig aus. Braucht es vielleicht eine allgemeine Informationsveranstaltung, eine Fortbildung für bestimmte Einrichtungen, einen Flyer oder eine Broschüre? Wenn sich, wie im ,Casa Mia‘, ein regelmäßiger Treffpunkt herausbildet, dann ist dies natürlich zuerst und vor allem wichtig für den entsprechenden Stadtteil. Wir wenden uns daher an den BA-Beauftragten gegen Rechtsextremismus und teilen unsere Informationen mit.“

Verzeichnen Sie einen Rechtsruck in der Gesellschaft? „Ja, ich denke schon, dass es einen Rechtsruck gibt. Seit mehr als einem Jahr gehen in Deutschland jede Woche an verschiedenen Orten in Ost und West mehrere tausend Menschen aus rassistischer, menschenverachtender und demokratiefeindlicher Motivation heraus auf die Straße. Gleichzeitig sind immer mehr bereit, auch Gewalttaten zu begehen, wie die immer stärker steigenden Zahlen von Angriffen zum Beispiel auf Geflüchteten-Unterkünfte zeigen. Dabei stammen die wenigsten Täter, kann die Polizei sie überhaupt ermitteln, aus organisierten extrem rechten Strukturen. Wir haben es also weniger mit so genannten ,besorgten Bürgern‘ zu tun, sondern mit einer aggressiven sozialen Bewegung von Rechts mit einer ganzen Reihe unterschiedlichster Akteure, und das macht mir natürlich Sorgen. Vor allem, wenn die Reaktion der Politik dann in der Verschärfung der Asylgesetzgebung und anderen Dingen besteht.“ Interview: das

Kommentare