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„Enormes Energieeinsparungspotenzial“

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Die Energiewende mit dem Ausstieg Deutschlands aus der Kernkraft ist derzeit in aller Munde, in der Gemeinde Unterhaching sind der Klimaschutz und die Gewinnung von Energie aus regenerativen (erneuerbaren) Energieträgern schon lange ein Thema – mit den Schlagwörtern Lokale Agenda 21, Geothermie und der Umsetzung der Energievision des Landkreises München seien an dieser Stelle nur einige Beispiele genannt, die in Unterhaching einen hohen Stellenwert haben. So darf es also nicht verwundern, dass der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes beauftragt hat – allerdings nicht ganz einstimmig, denn Peter Hupfauer verwehrte dem fast 100.000 Euro teuren Projekt seine Zustimmung.

Der FDP-Rat fand zwar die mit dem Konzept verfolgten Ziele durchaus „begrüßenswert“, der für die Erstellung des Konzeptes veranschlagte Betrag in Höhe von 95.000 Euro erschien ihm jedoch im Hinblick auf den Nutzenaspekt zu hoch: „Mir kommt das Gesamtprojekt etwas zu groß vor“. Hupfauer schlug stattdessen vor, dass sich die Gemeinde vorrangig um die gemeindeigenen Bauten und Gebäude kümmern solle: „Wir sollten uns auf unsere Kernaufgaben konzentrieren“, das geplante Konzept, das Hupfauer auch als „Studiengroßprojekt“ bezeichnete, sprenge den Rahmen des Erforderlichen. Eine Auffassung, der sich die übrigen Räte aber nicht anschließen wollten. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Brosseder hatte bereits vor Hupfauers Einwand festgestellt: „Die SPD unterstützt das Konzept voll und ganz, so etwas zu machen ist auf jeden Fall sinnvoll.“ Der zuständige Mitarbeiter aus dem Umweltamt Michael Smycka wies in diesem Zusammenhang nochmals auf das „enorme Energieeinsparpotenzial in Unterhaching“ hin und Bauamtsleiter Stefan Lauszat stellte klar, dass die gemeindeeigenen Gebäude nur rund zwei Prozent des Kohlendioxids (CO²) der Gemeinde ausmachen würden. Die Bürger, so Lauszat, seien deutlich mehr aufgeschlossen, wenn die Gemeinde in Sachen Klimaschutz und Energieeinsparung auf sie zukomme, als wenn dies über eine private Firma geschehe. Vom Klimaschutzkonzept verspricht sich die Gemeinde Hinweise, welche Gebäude für Maßnahmen dieser Art besonders geeignet sind, merkte der Chef des Bauamts ferner an. Bürgermeister Wolfgang Panzer stellte in Aussicht, dass man hier auch den Energiebeirat der Gemeinde einschalten werde, um sich im Hinblick auf die Konzepterstellung noch dessen Zustimmung zu holen. Eigenes Konzept Bevor Michael Smycka den Sachvortrag halten beziehungsweise das Thema präsentieren durfte, hatte der Erste Bürgermeister bereits die „Vorreiterrolle“ der Gemeinde Unterhaching in Sachen Energie und Klimaschutz hervorgehoben. Bereits im Jahr 2006 hatte der Gemeinderat im Rahmen der Energievision für den Landkreis München beschlossen, den Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 um 60 Prozent des Wertes aus dem Jahr 2006 zu reduzieren. Der verbleibende Energiebedarf, so das ehrgeizige Ziel, soll dann ab 2050 vollständig über erneuerbare Energien abgedeckt werden. Mit Maßnahmen wie unter anderem der Errichtung einer Fernwärmeversorgung über Tiefengeothermie und dem Anschluss von Neubaugebieten an diese Fernwärmequelle, dem Förderprogramm zur Energieeinsparung und Luftreinhaltung, der Anschaffung von Elektro- und Hybridfahrzeugen sowie der Stromgewinnung über Fotovoltaikanlagen ist die Gemeinde dem erklärten Energieziel zwar näher gekommen, doch von einer Zielerreichung kann zum derzeitigen Zeitpunkt laut Smycka noch nicht die Rede sein. Auch wenn bis zum Jahr 2050 noch fast 40 Jahre hin sind, führt Smycka zufolge an einem Klimaschutzkonzept kein Weg vorbei; schon allein deswegen, weil es bis zum Stichtag einige Zwischenziele zu erreichen gilt. Ein eigenes Konzept muss es auch deshalb sein, weil die Gemeinde 2010 die Möglichkeit, sich dem landkreisweiten Klimaschutzkonzept anzuschließen, nicht wahrnahm. Aus gutem Grund, denn laut Verwaltung können bei einem eigenen Konzept „die individuellen Gegebenheiten“ der Gemeinde besser berücksichtigt werden. Unterhaching wäre ansonsten nur ein Teilnehmer unter vielen – derzeit sind sechs Landkreisgemeinden der Energievision des Landkreises beigetreten. Eine Vernetzung der beiden Konzepte schließt Energieexperte Smycka aber nicht aus, im Gegenteil, von Seiten der Verwaltung wird eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit im Hinblick auf die Erreichung der Ziele nicht nur als wünschens-, sondern als erstrebenswert angesehen. Einbindung der Bürger Dass es mit den 100.000 Euro für das Klimaschutzkonzept allein nicht getan ist, dürfte in Unterhaching jedem klar sein, viele weitere, vor allem kostspielige Schritte und Maßnahmen werden folgen. Einen entsprechenden Zuschussantrag an den Bund, der unter anderem „Klimaschutzprojekte in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen“ fördert, hat die Gemeinde mit Datum 31. März 2011 bereits gestellt, am kommenden Samstag, 9. Juli, werden die Themen Energie und Klimaschutz neben dem Verkehr und den Öffentlichen Plätzen im Mittelpunkt der ersten Bürgerwerkstatt zur Ortsentwicklungsplanung stehen. Des Weiteren sind laut Smycka noch ein „Markt der Ideen“ (bei dieser Veranstaltung sollen in einer Art Brainstorming-Aktion in Frage kommende Maßnahmen gesammelt werden) sowie unter anderem Klimaschutzkonferenzen und Diskussionsrunden geplant. Die Gemeinde hat erkannt, dass die Sensibilisierung und die Identifikation der Bürger mit dem Klimaschutzkonzept sowie insbesondere die Einbindung und Beteiligung der Bürger wesentlich für den Erfolg im Hinblick auf die Umsetzung der Energie- und Klimaschutzziele sein werden. Weil neben der Öffentlichkeitsarbeit aber insbesondere auch die Inhalte des Konzeptes stimmig sein sollten, greift die Gemeinde bei der Erstellung auf professionelle Unterstützung durch ein geeignetes Büro zurück – nach Vorliegen des Förderbescheids und natürlich mittels offizieller Ausschreibung. Das geplante Klimaschutzkonzept – und hierbei handelt es sich auch um Vorgaben für das noch zu bestimmende Büro – soll laut Michael Smycka unter anderem Angaben und Aussagen zur Energie- und CO²-Bilanz, dem Energieeinsparungspotenzial und der Steigerung der Energieeffizienz sowie zum Potential der Energieerzeugung mittels erneuerbarer Energien in Unterhaching enthalten. Im Rahmen der Vorbereitungstätigkeiten für die Zuschüsse und das Konzept hat die Verwaltung sehr eng mit der Firma Green City Energy GmbH zusammengearbeitet. Ob dieses Büro jedoch im Hinblick auf die Konzepterstellung den Zuschlag erhält, wird die Ausschreibung zeigen müssen. Dass die Gemeinde in Sachen Klimaschutz und Energiegewinnung sehr innovativ und kreativ sein kann, hat sie ja beim „Leuchtturmprojekt Geothermie“ (Michael Smycka) schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nun tut sich – wie bereits berichtet – im Hinblick auf den Ersatz für die bestehende, aber marode und daher abzureißende Lärmschutzwand an der A 995 eine viel-versprechende und womöglich zukunftsträchtige Lösung auf: Sollte die geplante Kombination aus Lärmschutzwand und Photovoltaikanlage nämlich entweder über Investoren oder im Form einer Bürgersolaranlage realisiert werden, so könnte die Eigenbeteiligung der Gemeinde vergleichsweise gering ausfallen und sich beispielsweise auf die Kosten für den Abriss der Wand und die Herstellung der Baureife des Geländes für die Ersatzwand beschränken. Denn so viel steht fest: Die Gemeinde verfügt derzeit weder über den Willen, noch über die finanziellen Mittel, um die millionenteure Lärmschutzwand in Eigenregie und somit auch auf eigene Kosten zu errichten. – ja –

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