Auf diese(r) Brücke fahren Sie ab!
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Hallo München
Westend / Schwanthalerhöhe, 07.09.2011 12:00 |
 Beliebter Treffpunkt für Mitfahrer und Mitnehmer: die Donnersbergerbrücke. Von der Donnersberger in die Welt: Immer mehr Münchner nutzen Mitnehm-Angebote von Autobesitzern
München Sie stehen aufgereiht mit ihrem Gepäck am Geländer der Donnersbergerbrücke, nesteln an einem Zettel rum – und warten. Hält ein Auto an, bewegen sich mehrere der Männer und Frauen schnell auf das Fahrzeug zu: „Bist Du der Markus, der nach Berlin fährt?“ Ist er. Ruckzuck steigen drei ein, Türen zu und ab geht’s. Die anderen warten weiter... Was für den Außenstehenden ein wenig seltsam anmutet, hat System: Auf einem Internet-Portal werden Menschen zusammengebracht, die das gleiche Reiseziel haben – die einen nehmen mit, die anderen fahren mit. Simpel, und enorm erfolgreich – Mitfahrgelegenheiten boomen regelrecht!
Das Münchner Portal www.mit fahrgelegenheit.de, das größte in Europa, hat 1,8 Millionen registrierte Nutzer. „Wir wachsen über 30 Prozent von Jahr zu Jahr“, sagt Sprecher Dr. Michael Reinicke. Täglich werden bis zu 30 000 Mitfahrgelegenheiten vermittelt – ein großer Teil für die Landeshauptstadt. Allein im August gab es fast eine Million Anfragen für den Zielort München, 850 000 Mal wurde der Abfahrtsort München gesucht – los geht es meist an der gut erreichbaren Donnersbergerbrücke. Ziele: „Bunt gemischt“, sagt Reinicke. In der Datenbank sind 5000 Städte in 45 Ländern.
Dass der Dienst derart boomt, liege vor allem an den teuren Preisen für Bahn und Flugzeug. „Bei uns kommen Sie für 35 Euro von München nach Hamburg“, sagt der Sprecher. Was Münchner noch bewegt, zum Mitfahrer oder zum Mitnehmer zu werden, lesen Sie hier. Tanja Bitterer |
 Studium feiern in Zürich: Julia Stauber ist gerade mit ihrem Medizin-Studium fertig geworden – das muss gefeiert werden. Also besucht die 27-Jährige Freunde in Zürich und Genf, per Mitfahrgelegenheit versteht sich. Denn: „Das ist die billigste und flexibelste Art für mich, zu reisen.“ Auch zu ihrem Freund nach Leipzig fährt die Münchnerin regelmäßig gern mit „Fremden“ mit: „Bislang waren alle immer sehr nett“, sagt sie. Nur einmal sei sie ein bisschen reingefallen: „Mit einem verpeilten Philosophie-Studenten habe ich von Genf nach München über zehn Stunden gebraucht.“ |  Zurück in die Schweiz: Ella Grégorovici aus der Schweiz liebt München – hier hat sie wieder einmal ihre Schwester besucht. Nun geht es zurück in die Heimat. Für die Fahrt konnte die 29-Jährige aus einer Vielzahl von Angeboten aussuchen. „Ich habe mich dann für jemanden entschieden, der morgens fährt“, erklärt sie. Für die Schweizerin ist die Mitfahrgelegenheit unschlagbar, was Preis und Schnelligkeit angeht: „Außerdem lernt man auf diese Weise ganz schnell neue, interessante Leute kennen“, betont die PR-Beraterin.
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 Besuch in der Heimatstadt Dresden: Für Melanie Hübner (30, li.) und Alexandra Born (22) geht es in ihre Heimatstadt Dresden. Die beiden kennen sich flüchtig, haben sich aber nur zufällig für die gleiche Mitfahrgelegenheit entschieden. „Mit dem Auto ist man schnell, und es ist günstig“, sagt Alexandra Born. Und Melanie Hübner merkt an: „Mitfahren ist lustig, man weiß nie, wem man begegnet.“ Aus Milbertshofen ist die 30-Jährige an die Donnersbergerbrücke gekommen, dem „Hotspot“ für Mitfahrer: „Hier kommt man öffentlich gut hin – und die Autos können gut anhalten.“ Bislang haben beide nur gute Erfahrungen mit dem Service gemacht – und lustige. „Jemand hat mal einen Hasen mitgegeben, der saß dann die Fahrt neben mir“, sagt Melanie Hübner. |  Zur Familie nach Stuttgart: Daniela T. ist überzeugte Mitfahrerin: Mal besucht sie Freunde in Frankfurt, mal in Berlin, mal geht es nach Hause nach Stuttgart. „Durch die Mitfahrgelegenheit kann ich günstig ganz spontan reisen“, erklärt die 31-Jährige. In die großen Städte würden fast stündlich Leute fahren – „da gibt es eine riesige Auswahl an Angeboten, man muss nur ein bisschen flexibel sein“. Daniela T. steigt fast immer an der Donnersbergerbrücke zu: „Die Brücke ist sozusagen das Tor zur Welt“, meint sie. „Zu meiner Welt zumindest.“
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 Von München nach Frankfurt: Judith Schlepütz wohnt nicht in München – die 43-Jährige kommt aus Landsberg. Um aber Mitfahrer aufzugabeln, reist sie über die Donnersberger Brücke. „So spare ich mir Geld, und lustig ist es auch“, sagt sie. Hinzu käme der Umweltaspekt: „Es ist verschwenderisch, wenn ich alleine im Auto sitze“, meint sie. Heute nimmt sie zwei junge Frauen mit, nach Frankfurt: „Ich besuche Freunde.“ Wenn es dann wieder heim geht, wird Judith Schlepütz ihre Fahrt wieder im Internet bekannt geben: „Allein fahren ist doch auch langweilig“, sagt sie. |  Zu Freunden nach Westfalen: Fritz P. (29) und Christine E. (29) wollen Freunde in Westfalen besuchen – mit dem Zug bräuchten sie acht Stunden, mit dem Auto nur sechs. „Außerdem ist das Mitfahren viel billiger“, sagt der Schwabinger. Die WG-Freunde rechnen mit je 30 Euro, der Zug koste mindestens das Doppelte. Und: „Wir haben viel schlechte Erfahrungen mit dem Zug gemacht – er ist so oft unpünktlich“, erklären die beiden.
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