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»Treffs abschaffen? Absurd!«


Nachricht von: Hallo München
Schwabing, 02.12.2011 12:00


Seit fünf Jahren für rund fünfzehn Frauen von 20 bis 70 Jahre nicht mehr wegzudenken am Harthof: das türkische Frühstück im Mehrgenerationenhaus. Fotos: Bitterer
FDP will quartierbezogene Bewohnerarbeit auf den Prüfstand stellen – das sorgt für Ärger in den Einrichtungen


Milbertshofen
Aufregung in Münchens Nachbarschaftstreffs: Die FDP-Stadtratsfraktion hat einen Antrag an die Stadt gestellt, in dem sie fordert, die Einrichtungen auf den Prüfstand zu stellen – bedeutet im Klartext: Die Partei würde sie am liebsten abschaffen, denn: „Sie sind nicht nur eine fragwürdige Konkurrenz zu Genossenschaftseinrichtungen und Wirtschaften mit Nebenräumen, sondern kosten auch eine Menge“, so Fraktionsvorsitzender Dr. Michael Mattar.
Diese Aussagen des Politikers stoßen in den Nachbarschaftstreffs auf Unverständnis (siehe Kasten) – und verärgern. „Das ist doch absurd, wie soll man sich denn in Gaststätten treffen, wenn man wenig Geld hat“, meint Annette Meyer zum Felde, Sprecherin des Mehrgenerationenhauses am Harthof. Die Einrichtung beheimatet seit 2003 einen Bewohnertreff, den wöchentlich rund 300 Bürger besuchen – bezahlen müssen sie nichts.
Die Stadt fördert die Einrichtung jährlich mit 10 000 Euro, insgesamt bezahlt sie rund 1,6 Millionen Euro an 35 Nachbarschaftstreffs. Die Besuchertendenz im Mehrgenerationenhaus ist steigend: „Wir mussten jetzt sogar anbauen, um unser Angebot zu erweitern“, sagt die 53-Jährige. So können Jung und Alt nun aus rund 40 verschiedenen Kurse und Aktionen pro Woche auswählen – vom Deutschkurs für Anfänger über Yoga und Tai Ji bis hin zum türkischen Frühstück. „Ohne den Bewohnertreff wäre es sehr ruhig im Viertel“, sagt Annette Meyer zum Felde.
Das Gleiche gilt auch für den Ackermannbogen – die Nachbarschaftsbörse bietet hier 250 Veranstaltungen im Monat an. Im Jahr werden die Angebote von rund 25 000 Teilnehmern angenommen – und es werden immer mehr: „Eigentlich sind wir an der Kapazitätsgrenze“, sagt Leiterin Heidrun Eberle.
Das „Konkurrenz-Argument von Michael Mattar versteht sie nicht: „Wir ergänzen uns zum Beispiel perfekt mit unserem Café in der Siedlung – wer an einem Kurs teilnimmt, trinkt danach oft noch einen Kaffee oder isst etwas.“ Außerdem gebe es klare Richtlinien, wo wann ein Treff entstehen soll – nämlich immer dann, wenn 200 oder mehr Sozialwohnungen an einem Fleck sind. „Die Nachbarschaftsnetze, die es seit 1999 unter dem Namen quartierbezogene Bewohnerarbeit gibt, sorgen für soziale Stabilität“, meint sie. Und das sei in zusammengewürfelten Bewohnervierteln immens wichtig.


»So kann Integration funktionieren«

Tohfah Hamad, 34: „Ich komme seit sieben Jahren zur Nachbarschaftsbörse Ackermannbogen. Dank des Treffs haben meine fünf Kinder, mein Mann und ich nie Langeweile – es ist immer etwas Tolles geboten. Früher habe ich am Westkreuz gewohnt, da kannten sich die Nachbarn nicht mal untereinander. Das ist hier ganz anders, hier kann man sich auf die Nachbarn verlassen. Ich nehme am interkulturellen Kochabend und an der Frauen-Fitness teil. Außerdem tanze ich. Und vor einem halben Jahr habe ich selbst ein Angebot ins Leben gerufen: das Frauencafé. Das besondere an der Nachbarschaftsbörse: Menschen der unterschiedlichsten Nationen kommen zusammen und haben gemeinsam Spaß. So kann Integration funktionieren.“
Sandra Herrmann, 35: „Wenn es die Treffs nicht mehr gäbe, wäre das ein schwerer Verlust. Meine Kinder besuchen die Spielgruppe und den Chor. Wo gibt es schon so ein buntes Angebot wie in den Nachbarschaftstreffs? Hier hat man ein Heimatgefühl, das ich nicht mehr missen möchte.“
Marion Schwappacher, 40: „Dank des Treffs kann ich wohnortnah und familienfreundlich arbeiten – ich leite die Vorschulkinder-Gruppe. Ohne den Treff würde es hier keine Gemeinsamkeit unter den Bewohnern geben.“

Ihre Kommentare

25.12.2011 23:38, München Schwabing
Ich finde diese Treffs sehr wichtig. Ich besuche zwar kein, weil es keinen in meiner Wohngegend gibt, was ich schade finde. Und für Kinder, Frauen, Jugendliche sind sie besonders wichtig.

23.01.2012 23:53, München-Pasing
Das ist wieder typisch f. die FDP... alles was "Teilhabe" ein wenig transparent macht...fördert u. für ein soziales Miteinander einen Grundstock legt wird wegrationalisiert...wie ein schlecher Controler d. meint, man benötige kein Personal ;-) Sozialarbeit in den Augen der gelben schaut ansch. anders aus..sorry!


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