München Er steht mit seinem Namen für ein Produkt, das jeder kennt: Claus Hipp ist der größte deutsche Babynahrungshersteller und gleichzeitig Experte für Großfamilien – er selbst wuchs mit sechs Geschwistern auf, hat fünf Kinder und neun Enkel. „Es ist wahnsinnig schön, in einer Familie auf dem Land groß zu werden. Das hat ein gewisses Maß an Freiheit.“ Seine zwei Söhne und drei Töchter arbeiten alle in der vierten Generation im Betrieb in Pfaffenhofen, doch der gebürtige Münchner hält noch immer die Fäden in der Hand: „Ich werde im Oktober 73. Solange meine Arbeitskraft noch gefragt ist, mache ich mit Freude mit. Aber meine Kinder sind ehrlich genug, mir zu sagen, wenn ich fehl am Platz bin“, erklärt der Unternehmer.
1967 übernahm Claus Hipp den Betrieb von seinem Vater und baute den Konzern systematisch aus – heute hat die Firma über 1000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von rund 400 Millionen Euro. Doch neben dem Betrieb hat der promovierte Jurist noch andere Berufe: Als Generalkonsul von Georgien hat er sein Büro am Lenbachplatz, in dem asiatischen Staat unterrichtet er auch an der Universität in Tiflis Wirtschaftswissenschaften und Kunst. Denn auch als Maler hat Hipp sich unter seinem Taufnamen Nikolaus Hipp einen Namen gemacht: „Die Kunst ist für mich der ideale Ausgleich und befruchtet meine andere Arbeit.“ Ebenso wie sein unermüdlicher Einsatz auf seinem Bauernhof, wo er schon mal im Stall übernachtet. Als Student arbeitete er als Stuntman und Reiterdouble – wie es dazu kam und wieso er keine Abendveranstaltungen mag, erzählt er im A bis Z.
Maren Kowitz
Aufstehen: Ich muss sehr früh aufstehen, so zwischen vier und fünf Uhr morgens. Deswegen bin ich nie lange auf Abendveranstaltungen. Da gehe ich lieber zeitig, weil ich so früh raus muss.
Babies: Für Kinder sorgen zu können, ist eine Aufgabe, die besonders viel Freude bringt. Kinder sind von Haus aus positiv. Wenn sie anders reagieren, haben sie Angst.
Claus: Nikolaus ist mein Taufname, mein Vater hat mich von Anfang an Claus genannt. Heute steht Nikolaus nur noch in meinem Pass und auf meinen Bildern. Wollte als Künstler keinen Bonus oder Malus von der Wirtschaft her haben.
Dafür stehe ich mit meinem Namen: Die Idee kam Anfang der 90er von unserer Werbeagentur. Ich habe mich erst gewehrt, aber mich überzeugen lassen. Werde oft auf den Slogan angesprochen.
Elternservice: Auf jedem unserer Etiketten steht eine Nummer, unter der Mütter oder Väter rund um die Uhr anrufen können, wenn sie Fragen rund ums Kind haben. Wir beantworten zwischen 30 und 300 Anrufe pro Tag.
Fahrrad: Ich fahre in München überall mit meinem Fahrrad hin. Damit bin ich in der Stadt einfach schneller.
Glaube heißt, etwas für wahr halten, was man nicht begreift – sonst wäre es Wissen. Für mich als überzeugten Katholiken soll das gelten.
Hinterlassenschaft: Von meinen Eltern habe ich das wertebewusste Handeln – auch der Schöpfung gegenüber – und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Ich hoffe, dass ich das meinen Kindern auch weitergegeben habe.
IHK: Ich habe sechs Jahre Präsidentschaft der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern hinter mir. Eine spannende, schöne Zeit. Ich wollte aber rechtzeitig das Amt abgeben.
Jura: Ich war ein schlechter Jurist, bin es auch heute noch. Aber mein Jura-Studium hat mich die Fähigkeit gelehrt, einen Sachverhalt zu erfassen, logisch zu denken und Entscheidungen zu fällen, die beide Seiten berücksichtigen.
Kunst: Ich male auch gern. Das eine befruchtet das andere – kreatives Denken und Verstehen ist in einem Unternehmen immer hilfreich. Umgekehrt ist es nicht schlecht, wenn in der Kunst auch ein bisschen kaufmännischer Verstand dabei ist.
Ludwigsgymnasium: Da habe ich mein Abitur gemacht. Ich war Schulsprecher und habe dort eine gute Zeit verbracht. Die Schule war sehr kunstorientiert – die Lehrer haben mir viel fürs Leben mitgegeben.
München ist meine Heimatstadt, bin da fast täglich – ich fahr von meinem Wohnort 25, 30 Minuten ins Zentrum. Ich bin ja in Neuhausen-Nymphenburg geboren und aufgewachsen – da zieht es mich noch immer hin.
Nachwuchs: Habe fünf Kinder – meine beiden Söhne Stefan und Sebastian sind in der Geschäftsleitung, und auch meine drei Töchter arbeiten im Unternehmen mit.
Oboe: Ich spiele seit ich 14 bin die Oboe, seit 20 Jahren im Münchner Behördenorchester, einem klassischen Symphonieorchester, das immer mittwochs im Landesamt für Vermessung probt.
Pferde: Ich habe von klein auf mit Pferden zu tun gehabt und als Stuntman und Reiterdouble gearbeitet. Früher war ich Springreiter. Letzte Woche habe ich zwei Nächte im Stall auf unserem Hof verbracht, weil eines der Pferde gefohlt hat.
Quatsch: Ich mache gerne viel Blödsinn mit meinen neun Enkeln. Sie lieben es, bei uns auf dem Land draußen zu übernachten und gemeinsam zu kochen. Als Großeltern ist der Druck der strengen Erziehung ja nicht mehr so groß.
Russisch: Als meine ältere Schwester ihre Russisch-Nachhilfe nicht wahrnehmen konnte, hat sie mich zum Absagen geschickt. Ich bin dann dabei geblieben, habe meine Doktorarbeit über russisches Arbeitsrecht geschrieben.
Skandale: Negativberichte über Lebensmittel sind nicht immer so zutreffend. Oft wird Verbrauchern unnötig Angst gemacht. Vor einigen Jahren titelte die Presse „Arsen in Babynahrung“. Dabei ist Arsen ein Spurenelement fürs Wachstum – und natürlicherweise in Milch, Fleisch und Obst.
Tafel: Begleite diese großartige Einrichtung begeistert von Anfang an als Schirmherr. Es gibt ein Wachstum der Not, aber zum Glück auch ein Wachstum der Hilfsbereitschaft.
Ungeduld: Ich bin ungeduldig, wenn andere Menschen Zeit stehlen durch Selbstdarstellung. Oder wenn bei Empfängen nach einer Stunde alle Informationen ausgetauscht sind und man nur noch so zusammensteht.
Vorbild: Ich will es recht machen. Zum Vorbild reicht es bei mir nicht. Aber der gute Wille ist da.
Waage ist mein Sternzeichen. Und ich habe tatsächlich eine ausgleichende Art.
XXL: Immer mehr Kinder sind übergewichtig. Der Grundstein wird zwischen ein und drei Jahren gelegt. Der Übergang zur Erwachsenenernährung birgt gewisse Gefahren. Deswegen bieten wir jetzt gesunde Produkte für diese Altersstufe.
Yoghurt: Wir haben Produkte, in denen Yoghurt enthalten ist. Aber das ist Sache der Milchbetriebe. Dafür haben wir nicht das Milcheinzugsgebiet.
Zwieback: Mein Großvater Joseph Hipp hat um 1900 aus selbstgebackenem Zwieback einen Brei gemischt, mit dem meine Oma ihre Zwillinge fütterte, die sie nicht stillen konnte. Das war der Beginn unseres Unternehmens.
Wir suchen laufend zuverlässige Schüler, Studenten, Hausfrauen und Rentner, die mittwochs und/oder samstags unsere Stadtteilzeitungen oder Prospekte zustellen.