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»Auch Senioren brauchen ihre Stars«




Günther Maria Halmer bei seinem größten Hobby – Golf: „Mein Handicap ist schlecht“, sagt der TV-Star ganz bescheiden. Foto: kn
Wie er durchs Siegestor reitet, ist bayerische Fernsehgeschichte. Doch seine Kult-Rolle als „Tscharlie“ in Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ hat Günther Maria Halmer längst hinter sich gelassen: „Es wäre traurig, wenn ich mit 30 Jahren die Rolle meines Lebens gespielt hätte.“ Seither sah man ihn als Serienfigur „Anwalt Abel“, aber auch in Hollywood-Produktionen wie „Gandhi“ oder „Sophies Entscheidung“.
Eine einzigartige Karriere, die noch Platz fürs Privatleben ließ: Der 67-Jährige ist seit 35 Jahren glücklich mit seiner Frau Claudia verheiratet. „Dafür muss man sich heutzutage fast schon entschuldigen, aber wir haben ganz viel Glück gehabt.“ Gemeinsam kochen sie in ihrem Einfamilienhaus im Chiemgau oder reisen um die Welt. Allzuviel Zeit bleibt dafür momentan nicht, denn der Schauspieler steht in den nächsten Monaten ununterbrochen vor der Kamera. „Meine Zielgruppe ist 50plus – davon gibt es immer mehr, und auch die brauchen ihre Stars.“
Gelegenheit, den beliebten TV-Star zu sehen, gibt es das nächste Mal am Sonntag, 5. Juni, um 20.15 Uhr. Da spielt Halmer die Hautptrolle im neuen München-Tatort „Gestern war kein Tag“: einen Demenzkranken, der angeblich seinen eigenen Sohn getötet hat, weil er ihn für einen Einbrecher hielt.
Wie es ihm in dieser Rolle ging, warum er nur eine Folge lang „Tatort“-Kommissar sein wollte und wer seine größten Fans sind, verrät er hier von
A bis Z. Thomas Gautier, Maren Kowitz



Schauspieler Günther Maria Halmer (68) von A bis Z



Alter: Finde ich schön, weil ich jetzt sehr viel mehr weiß und schon viel erlebt habe. Der Nachteil: Die Zukunft ist kürzer.



Bergwerk: Mit 22 bin ich nach Kanada gereist, um die Welt zu sehen. Dort landete ich in einem Asbest-Bergwerk. Das war eine harte Zeit.



Chiemgau: Als wir Kinder bekamen, zogen wir dorthin. Hatte seitdem keinen Grund, in die Stadt zurückzukehren.



Demenz: Einen Demenzkranken zu spielen, ist eine Herausforderung. Jeder fürchtet die Krankheit. Man wird mit dem Alter sensibler. Wenn einem ein Name nicht mehr einfällt, denkt man: „Oh Gott, Alzheimer.“



Ehering: Ich trage stattdessen einen silbernen Armreif, den auch meine Söhne haben. Das ist unser Familienzeichen.



Freizeit: Manchmal habe ich zwischen Filmen bis zu zwei Monate frei. Dann gehe ich oft Golfen. Mein Handicap? Schlecht!



Grantig: Wohl mein Image. Ich habe keinen sonnigen Gesichtsausdruck, das wird mir als grantig ausgelegt.



Hollywood: Da wollte ich nie hin. Christoph Waltz ist derzeit der einzige Deutsche, der es dort wirklich geschafft hat.



Igitt: Ich ekle mich vor Schlangen und Kröten – und ich kann es nicht ausstehen, wenn man mich warten lässt.



Jüngere Frau – die will ich nicht, auch nicht in meinem Alter. Die Generationen sollen unter sich bleiben.



Kino oder TV? Es ist natürlich schöner, sich auf der großen Leinwand zu sehen. Eine Kinoproduktion hat eine ganz andere Wucht. Das ist wie ein Hochhaus neben einem Reihenhaus.



Löwen: Ich war lange ein Löwen-Fan. 60 war früher mal ein großer Verein mit großen Spielern: Fredy Heiß, Radenkovic. Jetzt sind ja jede Spielzeit neue Spieler da.



Maximilianstraße: Mein Lieblingsort in München. Schon immer. Selbst als ich noch ein kleiner Bub in Rosenheim war. Die Maximilianstraße hat mich immer mehr beeindruckt als beispielsweise die Leopoldstraße.



Neue Projekte: Drehe gerade einen Film für die ARD in Konstanz – da spiele ich den Besitzer einer Suppenfabrik. Die Bank schickt ihn in Zwangsrente. Doch er ist so verwachsen mit seinem Lebenswerk, dass er nicht gehen will.



Opa bin ich noch nicht –meine Söhne haben noch nicht den passenden Partner gefunden, das wird also noch dauern.



Peinlich ist mir vieles! Ich bin sehr impulsiv und habe mich hin und wieder uncharmant und flegelhaft verhalten. Das lässt mich nach 30 Jahren noch schaudern.



Quote ist sehr wichtig. Sie zeigt, dass viele Leute an den Filmen und Serien, in denen ich spielte, Freude hatten. Es wird zuviel fürs Feuilleton gedreht, zu wenig für den kommerziellen Erfolg.



Respekt habe ich vor Menschen, die zu ihrer Meinung stehen.



Siggi Riedmüller: Der Tatort-Kommissar, den ich eine Folge lang gespielt habe. Mir hat das genügt. Damals wurde es sonst sehr dünn mit den Angeboten, weil man auf diese Rolle festgelegt war.



Tscharlie: Früher dachte ich, ich komme nie wieder raus aus der Schublade. Heute, wo ich es geschafft habe, freue ich mich, wenn Menschen mich immer noch auf meine Figur aus den „Münchner Geschichten“ ansprechen.



Urlaub: Wir sind gerade sieben Wochen um die Welt geflogen.  Wir wollten ursprünglich auch nach Japan. Aber aufgrund der schrecklichen Katastrophe ging das nicht.  



Valentin: Ein großer Philosoph und Künstler. Von ihm muss man Fan sein. Er ist ein großes Vorbild für mich.



Würze: Die Würze macht es nicht aus. Einfach muss es sein. Aber trotzdem raffiniert. Das gilt für die Küche und die Schauspielerei.



Xundheit: Ich achte auf meine Gesundheit, meine Frau achtet auf mein Gewicht.



Youngster: Wenn ich mit Kollegen spiele, sehe ich sofort, der wird was oder der ist nur eine momentane Erscheinung. Damit habe ich meistens recht – auch wenn ich manchmal lache, wer in der heutigen Zeit einen Preis kriegt.



Zielgruppe:  Die Rollen wachsen mit. Meine Zielgruppe wird älter. Ich merke, wer mich erkennt, ist über 50. Aber das ist in Ordnung. Es gibt immer mehr und immer ältere Leute – auch die brauchen ihre Stars.


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