Designer von ICE, Transrapid und den neuen Münchner U-Bahnen für Lebenswerk ausgezeichnet
München Seine Werke sehen die Münchner täglich: Die neuen U-Bahnen und Straßenbahnen hat Alexander Neumeister entworfen. Doch der Industriedesigner hat nicht nur das Gesicht des Münchner Schienenverkehrs geprägt – auch die Optik des Transrapid und der ICEs entsprangen seiner Phantasie.
Für sein Lebenswerk hat der 69-Jährige, der auch viel in Asien und Brasilien arbeitete, jetzt von der Stadt München den Designpreis verliehen bekommen, was den Bogenhauser außerordentlich freut. Schließlich waren die Züge für die Münchner seine besondere Herzensangelegenheit: „Ich wollte der Stadt, in der ich mich den Großteil meines Lebens so wohl gefühlt habe, immer gerne etwas zurückgeben.“ Und in Zusammenarbeit mit der MVG entwarf er Züge, die dem Bedürfnis der Münchner angepasst sind: „Weil sich am Anfang der Züge immer die Menschenmassen stauen, haben wir dort die gebogenen Holz-Sitzreihen eingebaut – die bequemeren Sitzgruppen sind mehr in Wagenmitte. So gibt es eine bessere Verteilung der Passagiere über den ganzen Zug“, erklärt Neumeister. „Und das Sicherheitsbedürfnis speziell bei Frauen führte zu dem durchgehenden Zug.“ Gerade hat er seine erste Version optimiert: „Da wird es energiesparendere LED-Beleuchtung geben, und die Holzschalen der Seitensitze werden durch gepolsterte Sitze ausgetauscht, denn bei Beschleunigungen rutscht man leicht zum Nachbarn.“ Die verbesserten U-Bahnen sind seine Hinterlassenschaft an seine Heimatstadt. Der Designer wird im Dezember 70 und dann sein Büro im Lehel an seine Partner übergeben. „Dann werde ich meinen Schwerpunkt nach Brasilien verlagern“, so Neumeister. Was ihn dorthin zieht, warum München immer seine Heimat bleiben wird, erklärt er im A bis Z. Maren Kowitz
Münchens Industriedesign-Guru Alexander Neumeister (69) von A bis Z
Alter: Ich werde im Dezember 70 – für mich ein Meilenstein! Anfang 2012 werde ich das Büro an meine zwei Partner übergeben.
Brasilien: Ein fantastisches Land. 1989 hatte ich mit zwei Designern ein Büro in Rio aufgemacht. Und dann habe ich vor zehn Jahren dort meine Frau Sonaira kennengelernt.
Chaos: Wir alle leben in der Dualität von Chaos und Ordnung. Ein minimalistisch gestaltetes Haus in wuchernder Natur ist faszinierend. Chaos ist genauso notwendig wie Perfektion.
Designpreis: Über diese Anerkennung der Stadt München freue ich mich sehr.
Einheitsbrei: In großen Geschäften finden sie von jedem Produkt zehn bis 15 Varianten – oft ein Einheitsbrei, nur mit Unterschieden im Detail.
Farbgebung: Für die neuen U-Bahnen und Straßenbahnen habe ich – anstatt Elfenbein und gebrochenem Blau – Silber und ein dynamischeres, leuchtenderes Blau vorgeschlagen. Den Presse-Aufschrei hatte ich nicht erwartet.
Geduld: Bin oft ungeduldig. Aber durch den Vorteil des Alters und den Einfluss meiner Frau habe ich gemerkt, dass es viele verschiedene Wege gibt.
Hitachi: Seit 20 Jahren arbeite ich mit Hitachi in Tokio zusammen. Für unseren Hochgeschwindigkeitszug haben wir einen sehr hochkarätigen Preis des japanischen Kaiserhauses bekommen – ich als erster Nicht-Japaner.
ICE: Bei der ICE-Entwicklung war ich als Designer von Anfang an dabei – vom ersten Versuchszug vor rund 30 Jahren bis zum jetzigen ICE-3.
Japan: Im traditionellen Japan habe ich vieles gefunden, das mich bis heute als Designer beeinflusst. Wie die Kunst, zu optimieren – im Gegensatz zu der Suche nach immer Neuem.
Kritik: Ich überprüfe Kritik persönlich – ändere Punkte, die ich als berechtigt empfinde. Aber jeder Designer wird sprachlos, wenn man ihm sagt: „Mir gefällt das nicht.“
Lampenfieber:Bei Präsentationen gibt es immer noch diesen ersten Moment, wenn man in das Gesicht der Leute blickt und denkt: „Hoffentlich geht das gut.“
München ist meine Heimat. Im Moment fühle ich mich zwischen zwei Stühlen. Doch hier sind meine Kinder geboren, hier wird immer meine Basis sein.
Nutzer: Natürlich fahre ich die Stationen vom Prinzregentenplatz zu meinem Büro im Lehel oft mit der U-Bahn. Aber bei der U4 fahren leider die älteren Züge.
Originale: 1995 hatten wir bei der neuen ICE-Entwicklung zwei perfekte 1:1-Modelle in einer Halle in Poing aufgebaut. Danach kamen zwar die Zugköpfe ins Museum, aber der Rest wurde verschrottet. Das hat schon weh getan.
Produkte: Ich habe mich entschieden, nur langjährige Investitionsgüter zu designen. Ich wollte den Zirkus nicht mitmachen, bei dem man ein Produkt neu designt, nur weil die Verkaufszahlen absacken.
Quelle der Inspiration: Ich habe ein sehr gutes optisches Gedächtnis und auch früh gelernt, Sachen bewusst zu sehen, Formen zu hinterfragen.
Richtlinien: Es gibt Projekte, bei denen jedes Detail vorgeschrieben wird – ein Designer-Alptraum. Richtig Spaß machen Aufgaben, bei denen Visionen gefordert werden.
Schönheit: Das Faszinierende beim Design ist, Lösungen zu finden, bei denen alles optimal funktioniert und auch schön ist – ein Spaß, so etwas zu benutzen und zu besitzen!
Transrapid:Für mich eine eher tragische Geschichte. Als ich 1969 anfing, an der Magnetbahn mitzuarbeiten, hatte die Technologie die Nase vorn, geriet dann ins Abseits. Vielleicht werden wir uns in 20 Jahren die Technologie aus China kaufen.
U-Bahn: Wir haben die neuen U-Bahnen ganz auf die Bedürfnisse der Münchner zugeschnitten. Die neue Version wurde optimiert – mit energiesparender LED-Beleuchtung und rutschfesteren Sitzen.
Vater: Ich bin stolzer Vater von zwei wunderschönen Töchtern, die 32 und 38 sind. Eine lebt in Australien, eine in München. Seit letztem Dezember bin ich Großvater.
Weltweit: Bin mein ganzes Leben gereist und habe viel im Ausland gearbeitet. Mir macht es Spaß, in verschiedenen Kulturen zu sein – kennenzulernen, wie man Konflikte lösen kann. Unsere Art ist sehr direkt, andere machen es weicher.
X-Ray: Habe eine große Schwäche für Medizin, hätte das fast studiert. Aber Latein lernte ich auf dem Gymnasium nicht, und so ist eine Schwäche für das Design medizinischer Geräte geblieben.
Yacht: Als Dozent habe ich für ein Seminar eine 50-Meter-Yacht mit Hubschrauberlandeplatz entworfen. Aber meine eigene Passion ist ein kleines Segelboot in Brasilien.
Zukunft: Designer werde ich immer bleiben, und designen werde ich wohl immer. Aber in Zukunft werde ich versuchen, Hochtechnologien, handwerkliche Fertigkeiten und natürliche Materialien zu kombinieren.
Wir suchen laufend zuverlässige Schüler, Studenten, Hausfrauen und Rentner, die mittwochs und/oder samstags unsere Stadtteilzeitungen oder Prospekte zustellen.