Erotik mal anders. Gisela Schneeberger als erfinderische Waltraud, die sich mit Telefonsex vor dem Konkurs rettet. Foto: Universum Filmverleih
Gisela Schneeberger spricht im Hallo-Portrait über
ihre Telefonsex-Szenen in »Eine ganz heiße Nummer«
Auf dem Bildschirm wurde sie bekannt als Frau an der Seite von Gerhard Polt, als legendäre „Elli“ des Monaco Franze und als große Liebe von Karl Valentin. Doch mittlerweile hat sich Gisela Schneeberger (Foto) von „ihren“ Männern emanzipiert und spielt starke Frauenrollen – wie jetzt die Waltraud in Markus Gollers neuem Kinofilm „Eine ganz heiße Nummer“. Gemeinsam mit Maria (Bettina Mittendorfer) und Lena (Rosalie Thomass) will sie ihren Lebensmittelladen im Bayerischen Wald vor dem Bankrott retten – mit einer Telefonsex-Hotline... „Der Dreh war ein einziger Spaß, auch wenn mich einige Ausdrücke echt Überwindung gekostet haben. Aber mit der Zeit sind wir verbal immer schamloser geworden“, erzählt die 63-jährige Maxvorstädterin, die 18 Jahre mit dem Regisseur und Autor Hanns Christian Müller verheiratet war – mit ihm hat sie einen 21-jährigen Sohn. Wieso sie jetzt aufhört zu glucken, was sie witzig findet und was sie alles mit ihrem Geburtstag verbindet, verrät die Münchnerin im Hallo-A bis Z. Maren Kowitz
Schauspielerin Gisela Schneeberger (63) von A bis Z
Alter: Es ist nicht so leicht, alt zu werden. Ich komme schlechter mit den Händen zu den Füßen, werde immer steifer, meine Gelenke tun weh. Aber dafür bekomme ich in den letzten Jahren die interessanteren Rollenangebote.
Bühne: Ich bin schon lange nicht mehr auf der Bühne gestanden. Ich würde gerne wieder Theater spielen – mit Leuten, die ich gut kenne und auch gerne mag.
CSU hat viele Wandlungen durchgemacht seit Franz Josef Strauß. Nur ist sie nach wie vor eine Baulobby, die alles zubetoniert, was geht. Ich bin auch strikter Gegner der dritten Startbahn. Da ärgere ich mich auch sehr über die SPD.
Deutsche Einheit: Der 3. Oktober ist auch der Todestag von Franz Josef Strauß. Ich finde es eine komische Verquickung, dass das ein Feiertag geworden ist. Und das ist auch noch mein Geburtstag... Als ich klein war, ist meine Familie dann immer mit mir auf die Wiesn gegangen.
Eitelkeit: Privat bin ich sehr eitel, aber im Film überhaupt nicht. Es macht mir viel mehr Spaß, wenn ich mich für Rollen verkleiden und hässlich machen darf.
Frauenfreundschaft: Ich pflege mit Frauen meist eine tiefere Freundschaft als mit Männern. Ich bin in einem reinen Weiberhaushalt groß geworden. Wir sind vier Schwestern. Zu Hause lade ich auch gerne zu reinen „Weiberessen“ ein.
Gerhard Polt ist ein guter Freund, mit dem ich vielleicht wieder zusammenarbeiten werde. Es gibt ein Drehbuch vom Gerhard, das wir verfilmen wollen, aber das scheitert momentan noch an der Finanzierung.
Heimat: In meiner Jugend war es nicht schick, heimatverbunden zu sein. Aber es ist im Kommen: Mädels tragen wieder Dirndl, sogar mein Sohn hat sich eine Lederhosn und Haferlschuhe angeschafft.
Immer des G’schiss mit der Elli... bekomme ich noch oft zu hören – vor allem von Taxifahrern, die meinen, ganz originell zu sein. Das ist wohl einer der Sätze aus „Monaco Franze“, der sich in das Bewusstsein der Münchner geprägt hat.
Jammern oder Jubeln: Ich kann beides. Ich habe in meinem Beruf sehr viel Glück gehabt. Jammern tu’ ich aber auch recht gern, danach bin ich immer ganz erfrischt.
Krise: „Eine ganz heiße Nummer“, als unser kleiner Lebensmittelladen vor der Pleite steht, trifft den Nerv der Realität auf dem Land. Die Glashüttenkrise hat die Region sehr verändert.
Ludwig-Thoma-Medaille : habe ich mit Gerhard Polt bekommen. Freue mich über jede Auszeichnung, wie den Deutschen Fernsehpreis. Aber es gibt viele tolle Kollegen, die noch nie einen Preis bekommen haben – das hat manchmal etwas Willkürliches.
Muttersein: Ich habe immer noch ein ganz starkes Mutterherz. Aber mein Sohn Philip hat eine sehr nette Freundin, mit der ich mich sehr gut verstehe – dadurch ist mir das Glucken, Gott sei Dank, ein bisschen genommen worden.
Neurosen: Das Interessante am Menschen sind seine Neurosen. Ich habe bestimmt viele und kann auch darüber lachen.
Original: Früher hat es mehr sichtbare Originale gegeben. In meiner Kindheit in Freimann gab es den Schuster Bobinger. Der hat sich immer seelenruhig sein Speckbrot geschnitten, während man gewartet hat, dass er den Schuh repariert. Und in der Maxvorstadt lebte das „Bemmerl“, eine so genannte „Fünferl-Schnoin“, die sich Männern im Keller für ein Fünferl dargeboten hat.
Psychologie: Mein Psychologiestudium war eher eine Warteschleife für die Schauspielschule. Ich wollte nicht die Aufnahmeprüfung zeitgleich mit dem Abitur machen – weil ich eine sehr schlechte Schülerin war. Ich praktiziere gerne eine Art Küchenpsychologie.
Quote: Man wird immer drauf gestoßen, auch wenn man es gar nicht wissen will. Dabei halte ich Quote für eine reine Schreibtischüberlegung.
Reue: Es gibt ein paar wenige Dinge, die ich bereue, aber die verrate ich nicht.
Siegestor: Da lebe ich ganz in der Nähe. In meiner Wohnung hat schon die Urgroßmutter meines Sohnes gewohnt.
Telefonsex: Diverse Ausdrücke haben mich Überwindung gekostet, weil so ein Vokabular mir nicht entspricht. Das F-Wort war in meiner Kindheit das Unanständigste, was man sagen konnte – heute gebrauchen es junge Leute in jedem zweiten Satz.
Unter Druck: Ich fühle mich immer weniger unter Druck. Je älter man wird, desto ehrlicher und direkter wird man. Man muss sogar aufpassen, dass man nicht verletzend wird.
Vertrauen ist das A und O. Deswegen sage ich auch Regisseuren ab, zu denen ich kein Vertrauen habe. Umgekehrt brauche ich das Vertrauen der Regisseure. Ich habe noch nie ein Casting gemacht.
Witzig ist für mich Alltagskomik: Loriot, Valentin. Einer meiner Lieblingsfilme ist „Der Knochenmann“ von Murnberger, mit dem ich kürzlich gedreht habe. Hader gefällt mir sehr, ich liebe den österreichischen, schwarzen Humor.
Xaver Franz, Kroetz: Mit ihm habe ich meinen ersten Film gedreht. Daran habe ich gute Erinnerungen. Aber die letzte Woche war er auch mit mir beleidigt. Er muss sich einfach zanken. Trotzdem ist er ein genialer Mensch.
Yellow Press: Ich mache keine Homestories und gebe wenig Interviews. Dabei schaue ich mir oft ironisch über die Schulter, weil ich mich selbst so wichtig mache.
Zimmerschied: Finde Sigi Zimmerschied grandios und bin ein absoluter Fan. Habe es sehr genossen, jetzt das erste Mal mit ihm zu drehen. Es ist eine böse Spitze, ihn als Pfarrer zu besetzen.
Wir suchen laufend zuverlässige Schüler, Studenten, Hausfrauen und Rentner, die mittwochs und/oder samstags unsere Stadtteilzeitungen oder Prospekte zustellen.