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Münchner Geschichte auf Gleisen


Nachricht von: Hallo München
Haidhausen, 12.10.2011 12:00


Der »Pionier«: erster Wagen A aus dem Jahr 1901 Die Pferdebahn wurde von dem elektrischen A-Wagen abgelöst, das Exemplar im MVG-Museum stammt aus dem Baujahr 1901. Original sind noch die Emailleschilder, wie die so genannte Metermarke (kl. Foto) für den Tarif. Jeder Fahrgast, der kleiner als ein Meter war, musste nichts zahlen – das galt bis 1937. Ansonsten war Trambahnfahren damals relativ teuer, eher für feine Herrschaften als für Arbeiter. Der Streckentarif betrug um die 20 Pfennig, eine Mass Bier hat damals sechs Pfennig gekostet. Trotzdem überschritten die Fahrgastzahlen Anfang des 20. Jahrhunderts schon bald die Millionenmarke. Allerdings nutzten die meisten Fahrgäste an Sonntagen das Verkehrsmittel – mehr Ausflügler als Pendler also. 20 Leute durften im Innenraum sitzen, Stehen war nur auf der Plattform draußen erlaubt. Verboten war auch, mit dem Wagenführer zu sprechen, im Inneren zu rauchen, auf den Fußboden zu spucken oder an der Lederleine zu klingeln – das war dem Schaffner vorbehalten. 250 Triebwagen wurden in der Münchner Firma „Rathgeber“ gefertigt, mit modernster Ausstattung wie Druckluftbremse und Scheibenwischer. Damals fuhren die Wagen auf Holzschwellen, dann auf Holzbalken mit Metallbeschlag. Balken heißen im Mitteldeutschen Tramen, vermutlich hat die Trambahn daher ihren Namen.
Stadt feiert 150 Jahre Nahverkehr – im MVG-Museum und mit einem großen Straßencorso

München Öffentliche Verkehrsmittel spielen eine große Rolle im Leben der Münchner. Jährlich transportieren
U-Bahn, Trambahnen und Busse 512 Millionen Fahrgäste. Die Erfolgsgeschichte nimmt ihren Anfang vor 150 Jahren, als der Lohnkutscher Zechmeister sich 1861 eine Linienkonzession erwirbt, um die Gäste vom Hauptbahnhof mit einem Pferdeomnibus in die Innenstadt bis zum Mariahilfplatz zu transportieren. Dieses Jubiläum – gemeinsam mit 135 Jahre Trambahn und 40 Jahre
U-Bahn – feiert die Stadt am Samstag, 22. Oktober. Um 10 Uhr gibt es eine historische Fahrzeugparade vom Promenadeplatz bis zum Max-Weber-Platz. Von 11 bis 17 Uhr öffnen die Einrichtungen der MVG ihre Tore (Mehr Infos: www.mvg-mobil.de.). Klaus Onnich (li.) und Markus Trommer von den „Freunden des Münchner Trambahnmuseums“ zeigen, was das MVG-Museum Spannendes über die Münchner Geschichte verrät. Maren Kowitz


Der »Vorreiter«: Die Pferdebahn von 1876 bis 1900 1876 kam die Pferdebahn, die auf Schienen lief. Sie bot geschlossene Wagen für den Winter und offene Wagen (Foto) für den Sommer. Angefangen wurde mit sechs Kilometern Gleisstrecke – die erste Trambahnstrecke verlief von der Maillingerstraße zum Promenandeplatz. Sonst gab es auch eine so genannte Ringlinie, auf der man von Giesing nach Schwabing im Kreis fahren konnte. Liniennummern gibt es erst seit 1906, vorher waren die Linien durch Farben markiert. Das Pferdegespann wird den Jubiläumscorso anführen – allerdings auf Gummireifen und nicht auf Schienen.



Der Schaffner Bis 1975 gab es in jeder Trambahn einen Schaffner, seine Aufgabe war es, sich um die Fahrgäste zu kümmern, Fahrkarten zu verkaufen, Auskünfte zu geben, das Ein- und Aussteigen zu überwachen. Um Signale zu geben und Leute zur Ordnung zu rufen, trugen sie ein silbernes Pfeiferlschnürl. Der Fahrer hat den Wagen geführt. Zwischen 1975 und 1999 wurden dann bei ihm Fahrkarten gekauft.



Der »Heidelberger«: Wagen J, Baujahr 1944 Einfach ausgestattet war der Wagentyp J, der erstmals 1944 in einer Heidelberger Firma hergestellt wurde. Deswegen wurden die Fahrzeuge „Heidelberger“ genannt. Charakteristisch: die große, niedrig gelegene Tür, durch die man schnell ein- und aussteigen konnte. Im Krieg wurde der so genannte „Kohlrabi-Express“, die Linie am Viktualienmarkt, eingestellt, der „Gießkandl-Express“, fuhr bis in die 60er an alle Friedhöfe. Ab 1942 kamen bundesweit die standardisierten Haltestellen mit grünem H auf gelbem Grund.



Die »Mumps-Linie«: Wagen P, Baujahr 1966 Die ältesten Fahrzeuge, die heute noch in Betrieb sind, stammen aus den Jahren 1965 bis 1969. Die bauchigen Typ P-Wagen wirken, als ob sie Mumps hätten. Sie können mit 2,35 Meter besonders breit sein, weil sie in der Kurve abknicken. Ihre Vorgänger, die M-Wagen, mussten schmäler sein, um in der Kurve aneinander vorbeizukommen. Der Höhepunkt des Trambahnverkehrs war in München 1964, damals gab es 135 Kilometer Gleisstrecke. Dann wurde viel rückgebaut und mit der U-Bahn ersetzt. Die erste U-Bahnlinie, die U6, ist auf der Strecke der Trambahnlinie 6 gefahren.



Die Ritzenreinigerin Ida Schuhmacher hat mit ihrem Couplet die „Straßenbahnritzenreinigungsdame“ berühmt gemacht. Hunderte von Frauen, einheitlich gekleidet mit Trachtenhut und Schürzen, kehrten den Dreck aus den Ritzen und Weichen der Trambahnschienen. Diese Arbeit ist in den 30er-Jahren weggefallen, seitdem gibt es spezielle Reinigungsfahrzeuge.




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