Große Angst um Klein-Venedig
|
Nachricht von:
Hallo München
Giesing / Untergiesing, 06.10.2011 12:00 |
 Der Kleinteiligkeit und der Lage am Auer Mühlbach verdankt die Mondstraße den Spitznamen „Klein-Venedig“. Anwohner Herbert Enzner sorgt sich, dass ein Bauvorhaben das Flair zerstören könnte. Auf Hausnummer 12 soll ein zweistöckiges Wohnhaus mit Dachterrasse entstehen. Foto: Kowitz Anwohner und Bezirksausschuss protestieren gegen Bauvorhaben in der Mondstraße – Denkmalschutz gibt grünes Licht
Untergiesing Es ist der schönste Fleck Untergiesings, Stadtführungen zeigen das besondere Idyll mitten in der Großstadt, die Münchner nennen es ihr „Klein-Venedig.“ Deswegen steht die ganze Mondstraße unter Ensembleschutz. Doch das spezielle Flair entlang des Auer Mühlbachs sieht Herbert Enzner jetzt gefährdet. Der Untergiesinger Künstler wohnt in der Mondstraße 14, neben ihm – auf Hausnummer 12 – soll statt des kleinen Hofs und des zurückgesetzten Hauses ein zweistöckiger Block mit langen Fensterfronten und einer Dachterrasse entstehen. „Dadurch wird die Kleinteiligkeit zerstört“, beschwert sich Enzner. „Und man kann nur darauf warten, bis die anderen Nachbarhäuser auch höher bauen und das hier aussieht wie eine Reihenhaussiedlung.“
Gesammelte Unterstützung erfährt Enzner vom Bezirksausschuss. Das Gremium lehnte das Bauvorhaben einstimmig ab. „Die Häuser am Auer Mühlbach sind Teil der Untergiesinger Historie“, betont SPD-Fraktionssprecherin Christa Knappik. „Das ist wieder ein Fall, in dem Althergebrachtes durch einen Neubau vernichtet wird.“ Auch Clemens Baumgärtner (CSU), Vorsitzender des Bauausschusses, ist gegen den Bau: „Der passt vorne und hinten nicht rein – vor allem die langen Fensterfronten vertragen sich nicht mit den angrenzenden kleinen und sprossigen Fenstern.“ Ob sich die Lokalbaukommission von der Ablehnung beeinflussen lassen wird, ist unwahrscheinlich: „Wir prüfen den Antrag und geben keine Auskünfte über laufende Verfahren“, sagt Sprecher Marc Binder.
Und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat das Vorhaben prinzipiell durchgewunken: „Wir haben bei dem Bauvorhaben Mondstraße 12 mehrfach beraten und der letzte Stand der Beratungsergebnisse ist aus unserer Sicht unbedenklich“, erklärt Sprecherin Beate Zarges. „Gegen die langgezogenen Fensterfronten und die geplanten Dachgauben gibt es keine Einwände, eine Detailabstimmung während des Bauprozesses ist jedoch noch erforderlich.“
Für Herbert Enzner ist das ein schwacher Trost. Der 66-Jährige plant eine Unterschriftenaktion und schreibt einen Brief an den Oberbürgermeister. Wenn das alles nichts hilft, bleibt ihm nur noch der rechtliche Weg. Doch selbst eine Klage könnte er sich vorstellen. Schließlich geht es um den Erhalt von „Klein-Venedig“.
Maren Kowitz |
weitere Nachrichten Giesing / Untergiesing |