Nachricht von:
Hallo München
Giesing / Untergiesing, 31.08.2011 12:00
Steyrers Urenkel Kurt Erber hinter dem Plakat, mit dem der Steyrer Hans für seine Auftritte warb.
Der Urenkel vom Steyrer Hans erinnert sich an seinen Vorfahren, den bayerischen Herkules
Giesing Kurt Erber ist ein schmaler, sehniger Mann und nach eigenen Angaben „nicht besonders stark“. Nur die blitzenden Augen erinnern an seinen Uropa, den Steyrer Hans – den bayerischen Herkules.
Kraftsportler Thorsten Moser aus Münster hat dem „Giesinger Stolz“ jetzt mit der Biographie „Hans Steyrer“ ein Denkmal gesetzt – und Kurt Erber hat ihn mit Anekdoten und Fotos maßgeblich dabei unterstützt, wobei der 71-Jährige sich schon ein bisschen wundert: „Da muss erst ein Westfale kommen, um ein Buch über dieses Münchner Original zu schreiben.“
Dabei hat der Gastronom, Metzger und stärkste Mann der Welt deutliche Spuren in seiner Heimatstadt hinterlassen. „Er hat zum Beispiel den Wiesn-Einzug erfunden“, erinnert Erber, der mit seiner Frau Helga in Solln wohnt.
1879 zog der Hans mit sechsspännigen, geschmückten Kutschen, auf dem die Musiker und Kellnerinnen seines Wiesn-Zeltes fuhren, von seiner Wirtschaft an der Tegernseer Landstraße in Giesing Richtung Wiesn. 100 Goldmark Strafe kostete ihn das – „wegen groben Unfugs und Störung der öffentlichen Ordnung“. „Über dieses Urteil hat er sich geärgert – und im Amtsgericht in der Au die Tür so fest zugeknallt, dass sie mitsamt Türstock zersprungen ist“, so Erber.
Auch die Geschichte, wie er am Mariahilfplatz eine Straßenbahn mitsamt Fahrgästen anhob, erzählt Erber gerne. Oder vom berühmten Kunststück mit dem „lebenden Reck“, bei dem er eine 80-Pfund-Eisenstange vor sich hertrug, an der sein Sohn Hans junior herumturnte.
Erber selbst hat seinen Uropa, der 1906 starb, nicht mehr gekannt. „Aber meine Mutter Mathilde ist erst 2009 mit 90 Jahren gestorben, und sie hat mir viel über ihn erzählt.“ Seine Mutter wurde noch im Haus an der Tegernseer Landstraße 75 geboren, wo der Steyrer Hans seine Wirtschaft hatte. „Sein Spitzname war Giesinger Stolz, er hat sich auch sein Leben lang als Giesinger gefühlt, hat sich sein Grab auf dem Ostfriedhof lang vor seinem Tod ausgesucht“, erzählt Erber. Seine Wohnung schmücken nicht nur unzählige Fotos und Medaillen, sondern auch die Taschenuhr, seine Schnupftabakdose und Bierkrüge, die einst seinem Uropa gehörten. Seinen 4,5 Kilo schweren Spazierstock hat Erbers Vater dem Turmstüberl vermacht, wo er heute noch ausgestellt ist.
Sonst erinnert nichts in der Stadt an Münchens stärksten Sohn, der einen 528 Pfund schweren Stein mit dem Mittelfinger hob – kein Denkmal, kein Brunnen, keine Plakette. „Dabei war mein Uropa in Amerika und Europa bekannt, eine Statue wäre eine Touristenattraktion.“ Horst Walter, Vorsitzender des Bezirksausschusses und der „Freunde Giesings“, steht einer solcher Idee aufgeschlossen gegenüber: „Das müsste man mal diskutieren. Aber besonders eine Plakette an der Tegernseer Landstraße wäre denkbar.“ Maren Kowitz
Ein Westfale wandelt auf den Spuren eines bayerischen Urgesteins – und schließt die Lücken in der Biographie des stärksten Manns der Welt, dem Steyrer Hans. „Mich hat schockiert, dass es noch kein einziges Buch nur über ihn und sein aufregendes Leben gibt und dass man vieles nicht weiß“, sagt Buchautor Thorsten Moser (Foto), der selbst Kraftsport betreibt. So forschte der 39-Jährige nicht nur in München, sondern auch in internationalen Athletenzeitungen und Bibliotheken, dokumentierte Steyrers Jahre in Paris, Brüssel, Amsterdam und Amerika. „Dort arbeitete er zeitweise in der Gastronomie, zeigte aber auch seine faszinierenden Kraftakte und wurde weltweit berühmt“, so Moser, der als Hommage an die Nostalgie-Kraftshows selbst den Guinness-Weltrekord im Stahlnägel Verbiegen aufstellte. Zwei Jahre arbeitete der IT-Berater an seinem Buch „Hans Steyrer“ (194 Seiten, Verlag: Books on Demand). „Und meine Recherchen sind noch nicht zu Ende – ich liebe das Thema, um ihn wurde es nie langweilig und er war der König der Marketing-Ideen.“ mak
Wir suchen laufend zuverlässige Schüler, Studenten, Hausfrauen und Rentner, die mittwochs und/oder samstags unsere Stadtteilzeitungen oder Prospekte zustellen.