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Der Glocken-GAU von der Au


Nachricht von: Hallo München
Au, 12.10.2011 12:00


Repräsentativ, aber stur: Die vier Brabanter streikten. Dr. Gabriele Weishäupl und Pfarrer Markus Gottswinter (unten) nahmen es mit Humor. Fotos: Kowitz
Paulaner-Pferde streiken auf dem Mariahilfplatz – Lkw muss neues Geläut in den Turm ziehen

Au Das Wetter wechselte von heftigen Regenschauern zu Sonnenschein. Die Laune der Organisatoren von freudiger Erwartung über peinliche Berührtheit zu Galgenhumor. „Zu Weihnachten wünsche ich mir Pferdesalami“, scherzte Pfarrer Markus Gottswinter. Das große Spektakel auf dem Mariahilfplatz, bei dem ein Pferdegespann nach alter Tradition die fünf schwersten Glocken für das Carillon in den Kirchturm ziehen sollten, wurde zum Glocken-GAU...
Der Weg durch die Dult-Buden war gebahnt, die Seile gespannt, Glockenbauer und Architekt standen im Turm bereit, um den Weg des neuen Geläuts zu bewachen. Doch vor den Augen von fast 1000 Schaulustigen, traten die Pferde, die regelmäßig die Kutschen von Paulaner zur Wiesn ziehen, in den Generalstreik. Gutes Zureden, Zuckerl und Ziehen – nichts half. Mehr als zwei Schritte bewegte sich das Quartett nicht. Selbst dann nicht, als man die 1,4 Tonnen schwere Glocke durch eine leichtere ersetzte. Immer noch rührte sich nichts.
„Das kann ich mir nicht erklären, normalerweise ziehen sie den Wiesn-Wagen, der drei Tonnen wiegt“, erklärte ein unglücklich wirkender Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, der eifrig Ursachenforschung betrieb. Die Erklärung: Diese Brabanter seien es zwar gewohnt, rollendes Gewicht zu ziehen, aber nicht aus dem Stand. „Man braucht Pferde, die normalerweise Holz ziehen – die sind ein Gewicht gewohnt, das blockiert, gegen das man ankämpfen muss“, so Pfarrer Gottswinter.
Nachdem Tourismus-Chefin Dr. Gabriele Weishäupl das traditionsreiche Vorhaben nach einer Stunde des Wartens, das von Blasmusik und Freibier versüßt wurde, für gescheitert erklärte, mussten 264 Pferdestärken ran. Ein Siebentonner zog die leichteren drei Glocken in den Turm. An den schwersten, der Augustinerglocke und der 2,2 Tonnen schweren Paulaner-Glocke, scheiterte selbst er.
Also gibt es noch eine Chance für die Rösser, ihr Können zu demonstrieren. „Wir holen uns Freunde der jetzigen aus Oberbiberg, oder Holzarbeiterpferde aus Tirol.“ Über Jahrhunderte habe man das so gemacht – „da werden wir das doch auch hinbringen“, ist Gottswinter überzeugt. „Nach der Dult haben wir auch mehr Platz auf dem Platz.“ Aber trotzdem: „Das nächste Mal probieren wir es erst aus, bevor wir Leute einladen.“
Maren Kowitz







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