Unwetter in Bayern

Soldaten unterstützen im Hochwassergebiet

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Soldaten des Panzerpionierbataillon 4 beteiligen sich am Montag in Simbach am Inn an den Aufräumarbeiten.

München - In Teilen Bayerns herrschte zeitweise Land unter. Nun ist Aufräumen angesagt. In Niederbayern helfen dabei 100 Soldaten. Das Kabinett denkt über eine Pflichtversicherung nach.

Nach den teilweise verheerenden Unwettern in Bayern sind die Aufräumarbeiten am Montag auf Hochtouren fortgesetzt worden. Im besonders getroffenen Simbach am Inn in Niederbayern kam sogar Unterstützung von der Bundeswehr: Dort rückten 100 Bundeswehrsoldaten an - bewaffnet mit Schaufeln und Gummistiefeln. „Sie sollen die bisherigen Einsatzkräfte und freiwilligen Helfer unterstützen, die inzwischen an ihrer Belastungsgrenze angekommen sind“, sagte Robert Kubitschek, Sprecher der Landratsamtes in Pfarrkirchen.

Nach den schweren Überschwemmungen wird in der Staatsregierung über verpflichtende Versicherungen gegen Elementarschäden nachgedacht. „Es geht darum, ob wir nicht am Ende eine Pflichtversicherung gegen solche Klimaschäden für jeden machen“, sagte Finanzminister Markus Söder (CSU) in München. In den vergangenen Jahren habe man dies noch abgelehnt, doch hätten Aufrufe zur Eigenvorsorge nicht viel genützt. „Deswegen sollten wir darüber noch einmal eine Diskussion führen, ob es nicht vielleicht doch ein sinnvoller Weg sein könnte.“

Versicherungsdichte bayernweit sehr niedrig

Ähnlich wie im gesamten Freistaat ist nach Angaben der Versicherungskammer Bayern in dem stark von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Landkreis Rottal-Inn nur ein Bruchteil der Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert. Bayernweit wären nach Angaben des Unternehmens 99,8 Prozent der Wohngebäude versicherbar, im Landkreis Rottal-Inn wären es 99,6 Prozent, sagte ein Sprecher am Montag. Sowohl im gesamten Freistaat als auch in dem Landkreis liege die Versicherungsdichte aber lediglich bei etwa 26 bis 27 Prozent.

In Simbach am Inn brachten die Soldaten zwei Schwenklader und einen Minibagger mit, um die Straßen vom Schlamm zu befreien. Eingesetzt werden die Soldaten aber auch im nahe gelegenen Triftern. „Wir haben so viele Gebiete, an denen wir sie einsetzen können“, sagte Simbachs Bürgermeister Klaus Schmid (CSU). Einige der Soldaten waren bereits bei der Hochwasserkatastrophe von 2013 im Einsatz. Die Flutwelle in Niederbayern hatte sieben Todesopfer gefordert und nach Schätzungen des Landratsamtes Schäden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht.

Seit einer Woche ziehen verheerende Unwetter über Bayern. Zunächst versank die Region um das fränkische Ansbach im Wasser, dann große Gebiete im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn und im Landkreis Passau. Am Wochenende sorgten dann Unwetter in Aschaffenburg und im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau für Überschwemmungen.

Das Hochwasser in Oberbayern hat einen Schaden von bis zu 15 Millionen angerichtet, alleine in der Gemeinde Polling rund sieben Millionen Euro, sagte Hans Rehbehn vom Landratsamt in Weilheim am Montag. Auch in Peißenberg standen am Sonntag nach sintflutartigem Regen zahlreiche Keller unter Wasser. Nach einer ersten Behördenschätzung sind rund 100 Haushalte in dem oberbayerischen Landkreis vom Hochwasser geschädigt. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Umweltministerin Ulrike Scharf (beide CSU) kündigten bei einem Besuch in Polling und Peißenberg staatliche Hilfen an.

Noch vier Milliarden Euro im nationalen Fluthilfe-Fonds

Am Sonntagabend war ein schweres Unwetter über Teile Frankens hinweggezogen. Nach Polizeiangaben stürzten zahlreiche Bäume um, mehrfach liefen Keller voll und Blitze schlugen ein. Verletzt wurde aber niemand. In Großostheim (Landkreis Aschaffenburg) schlug ein Blitz in einen Telefonverteiler ein und setzte diesen in Brand. In derselben Straße musste die Feuerwehr einen Brand im Keller eines Einfamilienhauses löschen. Dabei entstand erheblicher Sachschaden.

In Oberfranken musste auf einer Landstraße nördlich von Bayreuth ein Autofahrer aus seinem von Wasser umschlossenen Fahrzeug gerettet werden. Weitere Feuerwehr-Mannschaften bekämpften Überflutungen im Süden Bayreuths und in drei umliegenden Gemeinden. Zudem mussten sie nach Blitzschlägen umgestürzte Bäume beseitigen. Im Bindlacher Ortsteil Ramsenthal (Landkreis Bayreuth) geriet nach einem Blitzeinschlag der Dachstuhl eines Hauses in Brand. Das Dach musste aufgebrochen werden, um Glutnester in der Isolierung zu löschen.

Am Dienstag will das bayerische Kabinett über weitere Hilfen für die Flutopfer beraten. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte am Samstag nach einem Besuch in Simbach betont, dass die Staatsregierung sich bei den zusätzlichen Mitteln an das Jahrhunderthochwasser 2013 anlehnen werde. Damals hatte es Härtefallregelungen und Bundesprogramme in dreistelliger Millionenhöhe gegeben.

Im nationalen Fluthilfe-Fonds des Jahres 2013 befänden sich noch rund vier Milliarden Euro, teilte der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger mit. „Mithilfe dieser Mittel müssen auch die Hochwasseropfer der vergangenen Woche entschädigt werden. Es wäre nicht nachvollziehbar und würde jeden Gedanken an Solidarität zerstören, wenn Bayern aus diesem Fonds jetzt nichts bekäme.“

dpa

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