Fünfter Verhandlungstag

Prozess um Aiblinger Zugunglück: Handyspiel-Experte sagt aus

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Fortsetzung des Prozesses zum Zugunglück in Bad Aibling.

Traunstein - Im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten wurden am Donnerstag zwei Gutachter zur verbotenen Handynutzung des Angeklagten gehört.

Zuerst sagte vor dem Landgericht Traunstein ein IT-Experte aus, der die Daten auf dem Smartphone des Fahrdienstleiters ausgewertet hatte. Danach wurde ein Neuropsychologe befragt, ob das Handyspielen die Konzentration des Bahnmitarbeiters im Stellwerk beeinträchtigt haben könnte.

Gutachter: Handyspielen hat Arbeit des Fahrdienstleiters beeinträchtigt

Das verbotene Handyspielen hat die Arbeit des Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling nach Einschätzung eines Gutachters beeinträchtigt. Gedächtnisstörungen seien dadurch selbst in Spielpausen möglich gewesen, sagte der Neuropsychologe am Donnerstag im Prozess um das Zugunglück in Oberbayern. Das Spielen auf dem verkleinerten Display eines Smartphones „setzt zusätzliche Konzentration voraus“, ergänzte der Sachverständige vor dem Landgericht Traunstein. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte durch die Handynutzung von der Arbeit abgelenkt wurde.

Der Fahrdienstleiter hatte zu Prozessbeginn gestanden, trotz Verbots bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar auf seinem Handy das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter5“ gespielt zu haben. Bei dem Unglück starben zwölf Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Weiter sagte der Gutachter, dass das Belohnungssystem des Spiels das Suchtverhalten fördere. „Das wollen die Spielemacher ja.“ In den letzten Wochen vor dem Unglück habe der Angeklagte immer öfter und länger am Computer gespielt, berichtete der Experte. Von einer Spielsucht wollte der Psychologe nicht sprechen, wohl aber von einem „problematischen Spielverhalten“. Er bescheinigte dem psychisch gesunden 40-Jährigen ein allgemein gutes Gedächtnis.

Fahrdienstleiter chattete bis kurz vor dem Unglück

Am vergangenen Montag, dem vierten Verhandlungstag, hatte sich herausgestellt, dass der 40-Jährige bis kurz vor dem Unglück mit Mitspielern chattete. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Angeklagte dadurch von der Arbeit abgelenkt war. Voraussichtlich an diesem Freitag werden die Plädoyers gehalten, die Urteilsverkündung ist für Montag (5. Dezember) geplant. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

dpa

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